Montag, 18. April 2022

Kleiner Ostergruß aus Pobè

 Hey Leute!

Nun habe ich schon wirklich etwas länger nichts mehr von mir hören lassen. Dabei ist wieder so viel passiert in letzter Zeit...

Aber ehrlich gesagt habe ich noch nicht so die Motivation gefunden, mich an meinen Laptop zu setzen und anzufangen, zu tippen. Dazu passieren einfach manchmal zu viele Dinge um mich herum, die man stattdessen machen könnte😅

Ich bin aber dran und möchte mit diesem Post pünktlich zum Ostermontag eine Vorstellung davon geben, wie wir dieses Jahr zusammen hier Ostern gefeiert haben. Denn auch bei uns wurden Eier gefärbt (mit Kurkuma und roten Zwiebelschalen wurden die Farben nicht ganz so intensiv, aber sie glänzten danach schön😁) und im Garten versteckt. Zuvor hatte jedes Kind auch ein Osternest gebastelt und konnte seine Beute dort hineinlegen. Alle hatten sehr viel Spaß beim Suchen und wir viel Spaß beim Zugucken!

In den nächsten Tagen wollen wir noch einen Film mit ihnen gucken und Schokoküchlein über Wasserdampf garen (wir haben hier keinen Ofen). Bin gespannt, wie das wird!☺

Ich hoffe, Ihr hattet alle auch ein schönes Osterfest und könnt die Feiertage mit Euren Liebsten genießen🐣.

Ganz liebe Grüße aus Pobè und bis bald...


...Sagen auch Maridiath, Christine, Timothée...

...Und Santos!👋




Montag, 28. Februar 2022

Von Konfliktbewältigung, hügeligen Landschaften und gegrillten Marshmallows

 

Hallo Leute!

Mein letzter Bericht vom Anfang des Jahres ist ja nun schon wieder einige Zeit her, in der wieder eine Menge Aufregendes passiert ist, von dem ich Euch im Folgenden gern ein wenig erzählen möchte.

Es ist Sonntagmorgen und ich sitze gerade auf unserer natte (einer Art Strohmatte) unter der Wäscheleine- leider nur im Halbschatten, weshalb ich jetzt schon ziemlich schwitze. Allgemein ist es in den letzten Tagen um die Mittagszeit immer recht heiß, was dann schon ziemlich anstrengend werden kann. Allerdings hat es am Mittwoch auch das erste Mal geregnet und heute weht ein kühlender Wind. Die Regenzeit beginnt laut Wikipedia erst Ende April, aber die Leute vor Ort haben uns erklärt, dass das schon seit einigen Jahren wegen des Klimawandels nicht mehr so klar vorhersehbar ist. Außerdem sagte man uns, dass einzelne Regengüsse in der Trockenzeit eine gute Ernte ankündigen würden. Das hoffen wir auch, denn auf unserem Hof beginnen die Mangobäume zu sprießen und die Avocados sollen ab April reif sein😊.

Nun geht der kurze Februarmonat morgen schon wieder zu Ende und ist mit seinen wenigen Wochen dann doch sehr schnell vorbei gewesen. Das sorgt dafür, dass sich die Ereignisse dann schon ziemlich verdichten, was es nicht gerade leichter macht, sich an alles exakt zu erinnern…

Der Monat begann ziemlich stressig, weshalb ich froh war, vor unserem Zwischenseminar nochmal mit Sarah in Porto-Novo zu verbringen. Wenngleich man mit dem Wort „Stadt“ nicht gerade Ruhe assoziiert, fand ich es wahnsinnig entspannend, mal einen Tapetenwechsel vorzunehmen. Wir waren viel auf dem Markt, kosteten neue Dinge und besichtigten die Stadt. Übernachten konnten wir im Hotel vom Centre Songhai, einem ökologischen Landwirtschaftsprojekt mitten in der Stadt, welches mit Pool sehr luxuriös ausgestattet war.


Unser erstes Frühstück: Venzou (weiße Bohnen)
mit Baguette, Sojakäse, Ananas und Melone

Das Hotelzimmer

Auf der Zem im abendlichen
Licht von Porto-Novo

Vom 15. bis zum 20.02. waren wir dann in Dassa-Zoumé, einer Stadt im südlichen Zentrum von Benin. Es ist umgeben von einer wunderschönen Hügellandschaft und somit auch die Hauptstadt des Départements der „Collines“ („Hügel“ auf Französisch). Dort hatten wir unser besagtes Zwischenseminar mit Sarah und Saskia, zwei ehemaligen Freiwilligen und teilweise Mitarbeiterinnen unserer Entsendeorganisation „Kinderhilfe Westafrika e.V.“. Obwohl das Seminar erst im Norden stattfinden sollte und ich mich schon sehr auf die Freiwilligen dort oben gefreut hatte, war ich schlussendlich froh über Dassa. Der Weg war nicht so weit (ca. 3 Stunden Busfahrt) und der Seminarort war echt schön. Saskia und Sarah hatten auf Google Maps kurzfristig eine ökologische Farm etwas außerhalb der Stadt gefunden, welche Touristen Verpflegung und Unterbringung anbietet.

In den Tagen vor Ort konnte ich die Ruhe in der idyllischen Atmosphäre sehr genießen, zumal der Alltag in den Wochen davor in unserer Einsatzstelle doch sehr anstrengend wurde. Vor allem genoss ich aber den Austausch mit den anderen Freiwilligen und lernte zwei Mädels einer anderen Entsendeorganisation kennen, welche an unserem Seminar teilnahmen. Es war sehr spannend, von den Erfahrungen und Erlebnissen der anderen zu erfahren und gleichzeitig zu erkennen, dass es bei allen an ähnlichen Stellen nicht so rund läuft. Auch wenn das komisch klingen mag, beruhigte mich das eher, als das es mir Angst machte. Denn manchmal kann es schon sein, dass man das Gefühl hat, man sei die Einzige, die Probleme hat. So konnten wir uns aber alle gut gegenseitig verstehen, uns Tipps geben und uns so gegenseitig motivieren, neue Dinge auszuprobieren und den Blickwinkel auf einige Gegebenheiten zu ändern. Neben den Unterhaltungen gab es noch einmal neuen Input zu Themen wie Konfliktbewältigung, Religion in Benin und Globales Lernen. Nebenbei hatten wir auch Zeit, uns über Projektideen für die nächste Hälfte unseres Jahres hier Gedanken zu machen. Der Teil hat mir besonders Spaß gemacht, weil ich hier nochmal einiges an Motivation für die nächsten Monate sammeln konnte. An einem Tag besuchten wir mit einem guide auch die collines. Der Aufstieg war ein wenig anstrengend, aber die Aussicht umso schöner.

Projektideen sammeln mit Merle, Selma,
Mariama und Béatrice (v.l.n.r.)

Weiter Blick über die Collines


Alles in allem konnte ich die Seminarzeit gut zum Ausspannen und Reflektieren der letzten Monate nutzen. In der Zeit davor gab es wirklich einige Dinge, die nicht ganz einfach für mich waren und die mich viel Grübeln lassen haben. Dies ließ mich ein wenig in meinen Handlungen verkrampfen, weshalb mein Fazit nach dem Seminar lautete, alles ein wenig entspannter angehen zu lassen.

Dies war in dieser Woche ein wenig leichter gesagt als getan, da die Kids Ferien hatten und unsere Vorfreiwillige Blia zu Besuch in Benin war. Da ich in der Seminarwoche nicht gerade viel Schlaf abgekriegt hatte, forderte mein Körper nun natürlich die verpasste Siesta wieder ein. Das sorgte dafür, dass ich nicht immer so hundertprozentig fit war…Dennoch genoss ich die Zeit mit Blia sehr. Mit ihr konnten wir uns viel über die Erfahrungen während ihres Jahres hier austauschen. Dabei gab sie uns viele nützliche Tipps und Anregungen zu Projekten, die man mit den Kindern realisieren könnte. Während der Woche hieß es dann neben einigen Hausaufgaben viel spielen, malen und lesen. An ihrem letzten Abend gab es am Freitag gegrillte Marshmallows, die die Kids sehr lecker fanden (auch wenn hier und da mal einer gern auch kurz brannte😊).


Leckere Marshmallows überm
 Lagerfeuer grillen

Posieren darf dabei nicht fehlen:
(v.l..n.r.) Alice, Charlotte, Sylvain und Sarah


Bon travail: (v.l.n.r.) Sylvain, Odile, Bossé, Maridiath, Faidath und Bossé
lösen Sarahs Mèches (Kunsthaar fürs Zöpfeflechten)

Von Mittwochabend bis Freitagmorgen kam zusätzlich noch Sarah zum Einsatzstellenbesuch bei uns vorbei. Nach einem längeren Regenguss folgte auf ihre Ankunft eine Versammlung mit dem Gründerehepaar und allen Mitarbeiter*innen der NGO. Das Haus war nun also ziemlich voll, was nicht gerade Entspannungsmöglichkeiten schuf, aber auch aufregend war…Am nächsten Tag führte Sarah viele administrative Gespräche mit den Angestellten, während wir mit den Kindern spielten. Vor ihrer Abfahrt am Freitagmorgen gab es dann aber nochmal eine Besprechung, an der wir teilnehmen konnten. Bei dieser stellten wir unsere Ideen zur Verbesserung der schulischen Ausbildung der Kinder vor. Diese betreffen vor allem das Lesen und Schreiben, auf das wir uns nun vorrangig konzentrieren möchten. Um das besser umsetzen zu können, ist viel Planung mit allen Mitarbeiter*innen nötig. Das gehen wir dann zusammen ab morgen an, wenn die Kids wieder in der Schule sind.

È Ku’iche oder bon travail ! (übersetzt so viel wie „Frohes Arbeiten!“) also an alle Beteiligten!

Freitag, 7. Januar 2022

Von gekochter Apfelschorle, weihnachtlichem Wikingerschach und großen Lebensfragen

È Caro (Guten Morgen) Leute!

Nun ist es wirklich schon ein bisschen länger her, dass ich etwas von mir hören lasse. Im vergangenen Monat war sehr viel los, sodass es selten ruhige Momente zum Schreiben gab (zugegeben: es ist auch immer eine kleine Überwindung, mich an den Laptop zu setzen😊).


Doch auch eben weil so viel passiert ist und sich einige fleißige Leser schon auf meinen neuen Blogeintrag freuen (danke für das Interesse an dieser Stelle!!!), möchte ich Euch im Folgenden ein kleines Update aus Pobè geben. Man neigt hier schnell dazu, seinen Leuten zu Hause ALLES erzählen zu wollen, um das bestmögliche Bild von der Einsatzstelle, den Menschen vor Ort und der Kultur zu zeichnen. Da das aber natürlich für diese wenigen Zeilen eine echt große Aufgabe ist, werde ich mich wohl oder übel auf das wichtigste (oder das, was hängen geblieben ist😊) beschränken müssen…

Doch bevor ich starte: Ich hoffe von Herzen, Ihr hattet alle wunderschöne (weiße) Weihnachten, die Ihr im Kreise Euer Liebsten gemütlich verbringen konntet. Außerdem wünsche ich Euch nachträglich einen guten Rutsch ins neue Jahr 2022, welches hoffentlich viele neue Dinge für Euch bereithält!

 

Weihnachtsbaum, Vogel-mobile
und Weihnachtsdeko im Salon

Ich war nie so wirklich ein Mensch von guten Vorsätzen für das neue Jahr. Die sind bei mir eh immer schief gegangen und hatten für mich immer viel von Zwang und Verpflichtung; daher halte ich nicht so viel davon. Wenn ich dieses Jahr allerdings einen Wunsch auf einen Zettel hätte schreiben müssen, wäre es folgender gewesen: meinen Weg finden. Für viele mag das jetzt sehr vage klingen, aber für mich haben diese drei Worte in den letzten Wochen irgendwie an Bedeutung gewonnen. Warum ist das so? Damit Ihr meine Situation ein bisschen besser nachvollziehen könnt, müsste ich dazu vielleicht ein wenig weiter vorne beginnen…

An die Wochen vor Weihnachten kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht so gut erinnern. Das mag daran liegen, dass die Tage relativ gleichförmig und ohne besondere Ereignisse verliefen: Kinder zur Schule bringen, unser Zeug wie Haushalt oder Berichte erledigen, Kinder von der Schule abholen und abends Lektionen mit ihnen wiederholen. Eine Besonderheit im Dezember war allerdings der Adventskalender, den wir den Kids gebastelt hatten. Jeden Abend durfte eins (oder manchmal zwei) von ihnen einen Socken mit einer Süßigkeit und einem Zettel öffnen. Auf letzterem stand jeweils ein Teil der Weihnachtsgeschichte „Ein großer Tag für Vater Martin“, die wir ins Französische übersetzt hatten. Auch wenn der Bonbon meistens interessanter war als die Geschichte, konnten wir doch ein paar Kids damit catchen.

Am vierten Adventswochenende bekamen wir dann noch einmal Besuch von unseren Mitfreiwilligen aus Porto-Novo (Emma und Salomé) und Natitingou (Selma). Zusammen waren wir in einer Art Forschungszentrum für Palmöl und konnten dort ein schönes Picknick machen. Der Ausflug und der Austausch mit den anderen hat uns gutgetan und war nochmal entspannend, bevor dann die doch recht stressige Vorweihnachtszeit losging.

 

Am 22. Dezember war dann der letzte Schultag der Kids und anstatt sich auszuruhen (mittlerweile kränkelten alle ein wenig mit Husten und Schnupfen), standen einige Verpflichtungen auf dem Plan, darunter Chorprobe für den Weihnachtsgottesdienst, Friseur für eine schicke Frisur und die Begrüßung vieler Gäste mit Tanz & Gesang. Zur Weihnachtszeit interessieren sich nämlich, so wurde es uns erklärt, viele (wohlhabende) Menschen oder auch gemeinnützige Organisationen für die Kinder und die ONG; ähnlich wie in Deutschland, wo es am Ende des Jahres viele Spendenkampagnen gibt. Die Geschenke der Gäste waren dann auch mehr für die ONG an sich und die Essensversorgung der Kids gedacht. Es gab unter anderem große Säcke mit Couscous, Reis oder viele Päckchen Nudeln. Umso mehr ein Grund, warum sich die Kinder über unser Geschenk am 25.12 vielleicht ein wenig mehr freuten: ein Wikingerschach (Kubb)- Spiel, mit dem sie am nächsten Tag auch gleich spielen wollten. 

 

Besuch von einer Initiative, die sich
mit den Nachhaltigkeitszielen beschäftigt

Der Heiligabend war auch ziemlich vollgepackt. Zunächst ging ich (Sarah war am Abend mit einer Art grippalem Infekt mit Fieber erkrankt) mit den Kids zum Sozialzentrum der Stadt, in dem jedes Jahr zu Weihnachten die Bürgermeisterin einen Weihnachtsmann organisiert, der den Kids von ihr gesponsorte Geschenke überreicht. Das war sehr interessant mit anzuschauen, wenngleich es irgendwie komisch war, dass der Weihnachtsmann weiß war. Am Abend ging es dann zur Messe, die diesmal ein wenig interessanter war. Es wurde mehr getanzt und die Kids haben viele Sachen vorgeführt! Insgesamt ging das ganze bis 1h30, weshalb ich danach eigentlich nur noch müde ins Bett fallen konnte. Am ersten Weihnachtstag gab es dann das Geschenk unterm Weihnachtsbaum und es wurde zusammen gegessen und Limonade getrunken. Nachmittags sind Sarah und ich dann ins Krankenhaus, um eine mögliche Malariaerkrankung auszuschließen (der Test war negativ😊). Es war ein bisschen seltsam, Weihnachten ins Krankenhaus zu fahren, aber seltsamerweise habe ich die Ruhe dort sehr genossen, während zu Hause ziemlich viel los war. Am Abend kochten wir dann mit den Kindern Kinderpunsch (mit Apfelschorle und Hibiskustee, Zimtstangen, Nelken und Orangen), der viel Begeisterung auslöste.

 !!!Hier noch ein kleiner Einschub meinerseits, und zwar was die Geschenke der Kids angeht. Mit dem Spiel und dem Punsch haben wir uns wirklich Mühe gegeben, kreativ zu sein. Ihr müsst wissen, dass Sarah und ich hier nicht die ersten Freiwilligen sind. Die „Generationen“ vor uns haben auch schon viele Dinge mit den Kindern gemacht und somit ist es also nur natürlich, dass sich im Laufe der Jahre gewisse Erwartungen und Ansprüche entwickelt haben, die nun irgendwo auch wir erfüllen mussten. Diese äußerten die Kids auch, indem sie uns fragten, wann sie Geschenke bekommen oder ob wir das Gleiche wie die anderen „Tatas“ mit Ihnen machen. Diese Fragen trugen zum vorweihnachtlichen Stress bei. Ohne den Fakt zu ignorieren, dass vor uns schon Freiwillige in unserer Einsatzstelle waren, haben wir versucht, die Erwartungen anzuhören und einen Mittelweg zwischen alten Aktionen und Dinge, auf die wir Lust hatten, zu finden!!!

 

Der Weihnachtsmann übergibt Santos sein Geschenk
(rechts sieht man unseren Mentor)

Die Kirche ist geschmückt...

Die Mädels tanzen ausgelassen


Mein Outfit für die Heiligabend-Messe

 

Am 26.12. gingen die Kinder wieder zur Kirche; es war schließlich Sonntag. Ich nutzte die Zeit zum Wäsche waschen und Sarah zum Sich ausruhen. Nach dem ganzen Trubel mussten die Kids und wir uns erstmal eine Runde Ausschlafen und bis Silvester war dann eher Chillen angesagt. Das neue Jahr wurde hier wieder in der Kirche begonnen und auch wenn die Messe ein wenig unspektakulärer als zu Weihnachten gefeiert wurde, war um 0h feierlich 2022 zu bejubeln echt cool! Danach passierte dann aber nicht mehr so viel und Sarah und ich nutzten die Ruhe, um unseren Start in das Jahr mit ein paar Folgen einer Serie zu feiern und die Nacht so auf unsere Art ein wenig „durchzumachen“.

 

Im Großen und Ganzen kann ich also sagen, dass ich ein schönes, aber ziemlich anderes Weihnachten hier in Pobè verbringen durfte. Vor allem hat mir ein wenig der Gemütlichkeitsaspekt gefehlt. Das lag unter anderem an der Hitze, bei der es sich echt schwer in Weihnachtsstimmung kommen lässt, aber auch an der Krankheit von Sarah. Es war ein wenig schwer, ihr dabei zuzusehen, wie sie den ganzen Tag eigentlich nichts machen konnte außer rumzuliegen. Hinzu kommt, dass wir beide zum ersten Mal so weit weg von unseren Familien Weihnachten verbracht haben. Ein wenig hat uns das schon runtergezogen und offen gesagt kann man diese Phase als einen kleinen Dämpfer unserer Zeit hier bezeichnen. Das gehört aber dazu, so wurde uns im Vorbereitungsseminar auch erklärt, dass die Honeymoon-Phase (alles ist neu und cool) irgendwann vorbeigeht.

 

nächtliche Puddingaktion mit Marie,
Timothée, Charlotte und Sarah (l.n.r.)

Sarah geht es jetzt aber viel besser und wir haben beschlossen, die letzten Wochen ein wenig hinter uns zu lassen und die Phase als Teil unseres Lernprozesses (jede Erfahrung ist wertvoll!) hier vor Ort zu akzeptieren. Das klappt ganz gut und nachdem ich in diesem Bericht nochmal alles für Euch aufgerollt habe, wäre das dann endgültig geschafft!

Ich möchte nun nach vorne schauen und lernen, mit den Ansprüchen an mich und an das FSJ sowie allgemein mit diesem Jahr hier umzugehen. Denn auch in den letzten Wochen kamen viele Fragen auf, die ich erstmal ein wenig für mich klären muss und die ich auch mit Sarah schon viel besprochen habe: Was ist unsere Rolle hier vor Ort; was unsere Pflichten& Aufgaben und was unsere Freiheiten? Wie gehen wir mit den Ansprüchen der Leute an uns und unseren Dienst um? Möchten wir unser Jahr hier verlängern? Was möchte ich hiernach machen?

Besonders die letzten beiden Fragen beschäftigen mich in letzter Zeit immer wieder und lassen mich oft ein wenig verzweifeln. Da hilft es, mit Sarah eine gute Gesprächspartnerin zu haben und sich ansonsten konkrete Aufgaben zu suchen. Da tut mir vor allem die Arbeit mit den Kindern gut. Seit Sonntag machen wir wieder ein wenig Schule mit ihnen und seit gestern begleiten wir sie auch wieder auf ihrem Schulweg. Sie machen wirklich Fortschritte und besonders ein Mädchen ist sehr motiviert und liest mir seit einigen Tagen jeden Abend etwas aus dem „Petit Nicolas“ vor. Das finde ich echt beeindruckend und freue mich über jeden Fortschritt, den sie macht!

Diesen Bericht schreibe ich im Internetcafé von Pobè, in dem ich schon einmal einen Film für die Kids heruntergeladen habe. Heute Abend soll es dann „Madagaskar“ geben und auch wir freuen uns schon darauf😊.

Wir haben jetzt Strom: Das erste Mal zu Hause
Laptop laden musste festgehalten werden.
 

Jetzt fahre ich erstmal nach Hause und bereite mit Sarah noch ein paar Dinge vor. Oder ich ruhe mich noch ein bisschen aus, denn das Wochenende wird spannend! Am Sonntag möchte der Mentor mit uns ein spectacle in der Stadt besuchen und am Montag, dem Voodoo-Feiertag, geht es mit dem Buchhalter und anderen Freiwilligen aus Porto-Novo, Cotonou und Natitingou nach Ouidah zum Voodoo-Festival! Bin schon ganz gespannt, wie das wird!

Jetzt wünsche ich Euch allen aber erstmal ein wunderschönes und erholsames Wochenende! 

Odabo à toutes et à tous !

Clara

PS: Wenn Euch interessiert, was ich zum Thema Weihnachten den Schüler*Innen des ISG Rostock erzählt habe, schaut doch gerne hier vorbei: 

https://www.instagram.com/tv/CYZuVvBIOm5/?utm_medium=copy_link

Sonntag, 5. Dezember 2021

Here we go again...

Hallo Leute!

Ich hoffe, es geht Euch allen gut. Die ersten Schneebilder konnte ich schon auf einigen WhatsApp- Staten bewundern und ehrlich gesagt kaum glauben. Hier sind es aktuell um die 34 °C und da ist Weihnachtsstimmung etwas anders definiert😅. Dennoch bin ich schon wahnsinnig gespannt auf die Weihnachtszeit vor Ort und mein erstes Weihnachtsfest über 30 °C! Auch wenn ich bestimmt nochmal einen Post machen werde, wo ich genauer davon berichten werde, hier erstmal ein kleines Update:

https://www.instagram.com/tv/CW_h3D9JeKv/?utm_medium=copy_link

Unter diesem Link findet ihr das nächste Video, welches ich für meine Schule (welche mich bei meinem Projekt stark unterstützt) gedreht habe. Hier könnt Ihr meine Einsatzstelle nochmal in Live betrachten und Euch ein Bild davon machen. Viel Spaß!😊

Odabo!

Clara
PS: Euch allen einen schönen zweiten Advent!

Freitag, 5. November 2021

Achso...

 ...was mir gerade noch eingefallen ist:

Falls Ihr Wünsche oder Anregungen habt, auf welche Themen ich noch einmal genauer in diesem Blog eingehen könnte, dann schreibt es gern in die Kommentare! Ich bin für alles offen und es gibt genug zu erzählen:)

Natürlich ist die Kommentarfunktion aber auch für Kritik da. Also, wenn Euch etwas nicht so gefällt, dann gern raus damit!

Ë cheoun gan! (Vielen Dank)

Odabo👋 

Donnerstag, 4. November 2021

Von selbstgebauten Mausefallen, grinsenden Papayas und viieell Schule

Hallo Leute!

Nun ist es schon eine Weile her, dass ich nichts mehr von mir hören lassen habe. Vier ereignisreiche Wochen in Pobè liegen aber wieder hinter mir, weshalb ich im Folgenden versuchen möchte, die für mich wichtigsten Eindrücke für Euch festzuhalten.

❗Bevor ich beginne, möchte ich noch einmal deutlich machen, dass alles Geschriebene in meinem Blog eine subjektive Wahrnehmung ist. Die geschilderten Dinge sind daher weder auf ganz Benin, noch auf ganz Afrika übertragbar. Ich möchte hier also nochmal ausdrücklich betonen, dass das Erzählte meine persönlichen Gedanken und Erfahrungen zum Alltag in meiner Einsatzstelle in Pobè widerspiegelt❗

Nach unserer eher mäßig aufregenden Woche in Porto-Novo kehrten wir am Sonntag also zurück in das Waisenhaus in Pobè. Mit dem Montag (04/10) begann dann erstmal eine entspanntere Woche, in der wir vor allem Haushaltskram regelten, wie z.B. Wäschewaschen oder Badputzen. Langsam kamen auch dort schon die älteren Kinder für Hausaufgabenhilfe auf uns zu. Dabei waren vor allem Englisch und P.C.T. (Physik, Chemie, Technologie) gefragt, obwohl natürlich jedes Kind eigene Stärken und Schwächen hat, weshalb der Bedarf an Fächern immer variierte. Am Wochenende starteten wir unser erstes „größeres“ Projekt (wir bastelten einen Geburtstagskalender) und gingen mit unseren frisch geschneiderten Kleidern zur Chorprobe am Samstag und zur Kirche am Sonntag. Während wir uns beim Gottesdienst eher langweilten (es wurde viel auf der Regionalsprache gepredigt), war es schon eine spannende Erfahrung.


unser erster Gang zur Kirche, inklusive Kleid und Kopftuch!

Der Geburtstagskalender wird aufgehängt.


Die zweite Woche gestaltete sich dann ziemlich ereignisreich, da Maman uns an einem Abend bat, von nun an jeden Abend nach Schulschluss abwechselnd mit der CE1 (2.Klasse) und CE2 (3.Klasse) ihre Lektionen für den nächsten Tag durchzugehen. Einerseits freuten wir uns über diese Arbeit, andererseits war es wirklich anstrengend. Das lag vor allem daran, dass die Kinder durch den späten Schulschluss (17/18h) wirklich fertig sind und außerdem innerhalb der Klassengruppe unterschiedliche Lernstandniveaus herrschen. Trotz dieser Probleme hatten wir im Großen und Ganzen das Gefühl, dass die Kinder vieles Erklärte relativ gut verstehen. Man kann aber schon sagen, dass wir in der Anfangsphase echt überfordert waren. Das lag aber auch vor allem daran, dass uns das beninische Schulsystem einfach noch zu unbekannt ist. Bisher hatten wir nämlich eher das Gefühl, dass vor Ort mehr wert auf dem Auswendiglernen der Lektion als auf dem tatsächlichen Verstehen der Wörter liegt. Dennoch versuchen wir irgendwie den Spagat zwischen spielerischen Methoden und Vermittlung des Stoffes zu schaffen. Aber, man hat es vielleicht schon herausgehört: Die Aufgabe ist schwerer als gedacht, wenngleich ich mich auch auf die Herausforderung jeden Tag freue. Während die Kinder vormittags in der Schule arbeiteten, waren wir viel mit unserem Mentor unterwegs, um z.B. auf dem Markt Früchte zu kaufen🍍.


unser erster (Groß-)einkauf


Am Freitag haben wir uns bei der Gelegenheit Zöpfe machen lassen und unsere Pagnes (eine Art Wickelrock) bekommen. Da ich das Gefühl habe, dass in Deutschland viel über das Thema der kulturellen Aneignung diskutiert wird, musste ich dabei daran denken und habe mich gefragt, ob es wirklich nicht komisch ist. Meine Zweifel konnten aber schnell beruhigt werden, da alle uns nahe Stehenden uns versicherten, dass die Einheimischen das nicht so empfinden würden und sich eher darüber freuen, wie wir ihre Kultur damit wertschätzen. Und Leute, ganz ehrlich: Die Zöpfe sind bei dieser Hitze einfach wahnsinnig praktisch, was hier wirklich ein starkes Argument darstellt🥵.



Mamans stolzer Schnappschuss: wir beiden mit Pagne und Oberteil

Ich kriege als erstes Zöpfe, nicht ganz ohne Schmerzen:)


Die letzten beiden Wochen gingen dann sehr ereignisreich weiter. Die Abende verbrachten wir mit Lektionen lernen, während wir die Vormittage für Haushalt (dazu gehörte auch einmal das Fangen einer Maus🐀) und Vorbereitungen nutzten. An einem Tag wurden wir dann auch von dem Directeur auf unsere Arbeit angesprochen. Es ging um das Heft eines Jungen, der einige rote Einträge im Heft hatte, da er seine Lektionen nicht konnte. Im Folgenden bat er uns- wenn möglich- demnächst darauf zu achten, alle Lektionen für den jeweils folgenden Tag mit den Kids aller Klassenstufen zu lernen. Wir bekamen die Stundenpläne und sprachen mit einigen Lehrer*Innen. Von nun an versuchten wir, jeden Abend mit der CE1 und CE2 zu üben und nach dem Abendessen oder am Mittwochnachmittag (Schulschluss um 12h) die älteren Klassen (CM1 und CM2, 4. und 5. Klasse) auf Bedarf anzusprechen. Auch wenn das oft sehr anstrengend ist (die Aufmerksamkeit der Kinder ist einfach nach ihrem langen Tag nicht mehr so groß), freuen wir uns über unsere Arbeit. Einerseits, weil wir dann wirklich etwas zu tun haben und andererseits, weil ich wirklich das Gefühl habe, dass wir zumindest manchmal den Kindern Dinge verständlich machen können und ihnen damit helfen.

unsere erste selbstgebaute Mausefalle 

Hausaufgaben erfolgreich geschafft mit der CM1 (von links: Sarah, Justin und Boss aus der CM1, Christophe und Faidath aus der CE1)


Natürlich versuchen wir, nicht nur Schulisches mit ihnen zu machen. Allerdings ist es nicht immer so einfach neben den ganzen Lektionen die Kinder aus ihrem Alltag zu holen und Dinge zu finden, die ihnen Spaß machen. Dennoch haben wir letztes Wochenende anlässlich Halloween Papayas🎃 geschnitzt und Ausmalbildchen vorbereitet. Das war, ähnlich wie beim ersten Projekt mit dem Geburtstagskalender, recht chaotisch. Aber als die Kinder beim Abendessen still und bewundernd auf die wirklich wunderschön leuchtenden Früchte-Gesichter schauten, war der ganze Stress von davor wieder vergessen. Wir freuten uns vor allem, weil die Kinder glücklich waren und die Papayas gleich am nächsten Abend wieder anzünden wollten☺.


Das Resultat im Hellen...

Judith (l.) und Joséphine(r.) beim Schnitzen 

reihum von links: Sarah, Maridiath, Thomas und Sylvain beim Ausmalen

...und im Dunkeln


Allgemein mag ich langsam den Gedanken, dass dies jetzt für ein Jahr mein Alltag ist. Und es gibt noch einige Projekte, die wir demnächst noch angehen möchten. Zum Einen möchten wir die Arbeit mit den Kindern noch besser organisieren und einigen noch gezielter Lese-und Schreibhilfe geben. Außerdem gehen wir am Samstag zum ersten Mal zu einer Sportgruppe in der Stadt und sind schon gespannt, wie das wird! Demnächst möchten wir dann mit unserem Mentor Moped fahren lernen und außerdem unsere Nago (die Regionalsprache von hier)- Skills erweitern, damit wir bald noch mehr als "ë karo" (Guten Morgen) und "odabo"(Auf Wiedersehen) sagen können😅.



Kleiner Filmdreh

Hallo Leute!

Bevor ich meinen nächsten Blogeintrag veröffentliche, hier ein kleines Vorstellungsvideo von meinem Projekt!

Ihr könnt es auf der Instagram- oder Webseite meiner Schule finden:

https://instagram.com/isg_hro?utm_medium=copy_link

https://www.isg-rostock.de/aktuell/nicht-nur-ein-tag-fur-afrika.html

Das Ganze war spaßig und ich freue mich darauf, weitere Videos dieser Sorte machen zu können☺!

PS: Da diese Outtakes zu schön sind, hier ein kleiner Ausschnitt:




Benin ade, ...

Hallo Leute! Nun ist es schon über einen Monat her, dass ich wieder zurück in Deutschland bin und ich kann sagen, es fühlt sich manchmal i...