Sonntag, 24. April 2022

Von Eichhörnchen, Webstühlen und gefüllten Osternestern

 

Hallo Leute!

Mir ist gerade aufgefallen, dass mein letzter Eintrag doch schon länger her ist, als ich gedacht hätte. Ich komme mir manchmal vor wie eine Schallplatte mit Sprung, aber es ist noch genauso wahr wie vor einem Monat: Die Zeit hier vergeht so schnell…

Der Monat März hat für uns und unsere Arbeit im Centre viele Veränderungen mit sich gebracht, von denen ich Euch im Folgenden gern erzählen möchte.

Zunächst haben wir Anfang März Fasching mit den Kids gefeiert. Dazu konnten wir Luftballons auf dem Markt kaufen und mit ihnen den Mangobaum auf dem Spielplatz schmücken. Dazu gab es Kinderschminken (das Eichhörnchen war als Motiv der absolute Renner😊) und Musik. Obwohl Sarah und ich die ganze Zeit mit Schminken beschäftigt waren, konnte ich die gute Stimmung unserer kleinen Faschingsparty sehr genießen. Am nächsten Tag starteten wir dann noch ein kleines Experiment, was erstaunlich lecker wurde: Kräbbel, eine Art Berliner aus dem Rheinland. Das Rezept kannte Sarah noch von Zuhause und ein wenig abgewandelt konnten wir den Kindern damit eine süße Freude bereiten- inklusive Spaß bei der Zubereitung!

 


Die Faschingsparty in vollem Gange
mit Bossé im Vordergrund


Spaß bei der Kräbbelzubereitung
mit Joséphine und Herman (hinten)

In den nächsten Tagen setzten wir uns dann mit dem Personal des Centres zusammen, um eine Art Wochenplan zu erstellen. Dieser sollte den Mitarbeiter*innen und uns dabei helfen, die schulische Betreuung der Kids besser zu planen. Zusammen sprachen wir Zeiträume ab, in denen die Kinder neben der Hausarbeit und Pausen frei fürs Lernen, aber auch Spielen sind. Am Anfang war es ziemlich schwierig, diesen Plan ins Rollen zu bekommen. Ich meine, versuche man sich vorzustellen, das Leben von so vielen Kindern auf die Stunde genau durchtakten zu müssen. Absolut unmöglich! Dazu können viel zu viele unerwartete Dinge passieren. Aber das war auch gar nicht unser aller Anspruch! Ich war erstmal sehr froh darüber, dass jeder vom Personal sowie auch wir Ideen einbringen konnten und gemeinsam eine Lösung gefunden wurde.

Seitdem machen wir in der Schulzeit jeden Abend (außer mittwochs) „lecon“, also quasi die Wiederholung des Unterrichtsstoffes für den darauffolgenden Tag. Weil an diesen beiden Tagen etwas mehr Zeit ist, lernen wir mit einigen Kindern am Mittwochnachmittag und Samstagmorgen Lesen und Schreiben, unsere sogenannte „étude“. Dazu haben wir die Kids je nach Lernstandniveau in vier Gruppen mit Tiernamen eingeteilt. Die Schnecken bilden den Anfang, danach folgen die Fische und Schmetterlinge und das Ende bilden die Eichhörnchen. Erst dachten wir, das wäre ein bisschen komisch, aber die Kinder finden ihre Tiere echt cool und es ist schon zu einer Art Identifikation für sie geworden. Besonders hilfreich ist bei der „étude“, dass wir sie unter dem Empfang entspannt und ohne viel Lärm drumherum machen können. Auch die Tafel vom Tischler in der Nähe, die uns am Anfang ein paar Schwierigkeiten bereitet hat (die Farbe hat nicht gehalten und man war nach jeder Stunde grün an den Händen), leistet uns nun gute Dienste. Damit das Ganze auch in einer ordentlichen Lernatmosphäre stattfinden kann, haben wir mit den Kids vor der Umsetzung des Wochenplanes noch Regeln für die „lecon“ und „étude“ aufgestellt, die jede*r gewissenhaft unterzeichnet hat😊.

Die Regeln werden gesammelt
und aufgeschrieben

Obwohl ich ja schon gesagt habe, dass so ein Plan natürlich nicht wirklich 100%ig eingehalten werden kann, freue ich mich sehr, dass sich im Alltag der Woche doch eine gewisse Routine eingestellt hat. Vor allem bin ich aber froh, dass die Kids die Lernzeiten auch als solche akzeptieren und (natürlich manchmal mehr und manchmal weniger) mit Spaß dabei sind.

Zeit für die erste "étude": Hier gerade mit den Eichhörnchen
(v.u.n.ob.: Bossè, Elysée und Christoph)

 

Fatima schreibt auf besagter Tafel

Diese Routine mussten wir vor den Osterferien allerdings noch einmal durchbrechen, weil wir unsere lang ersehnte Reise in den Norden antreten wollten. Da die Kinder in den Ferien die ganze Zeit im Centre verbringen, sind wir angehalten, unseren Urlaub in die Schulzeit zu legen. Das hatten wir auch alles schon einkalkuliert und so geplant, dass wir unsere Vorfreiwillige bei ihrem Praktikum dort oben besuchen konnten. Leider ging es Sarah dann durch eine Nasennebenhöhlenentzündung nicht gut und wir mussten die Reisevorbereitungen erstmal auf Eis legen. Aber wie heißt es so schön: Aufgeschoben ist ja nicht gleich aufgehoben…

Eine Woche später als geplant konnten wir gesund und munter in den Norden Benins starten. Unser erstes Ziel war Parakou, eine Universitätsstadt mit bewegter Nachtszene. Da wir gegen Spätnachmittag ankamen und am nächsten Tag gleich weiterwollten, hatten wir nicht allzu viel Zeit vor Ort. Dennoch nutzten wir die Gelegenheit, um den riesigen Markt zu bewundern oder durch die weitläufig asphaltierten Straßen zu laufen. Von Parakou aus ging es in das eine Stunde entfernte Dorf Goro, in welchem wir zwei Freiwillige einer anderen deutschen Entsendeorganisation (von den beiden Mädchen habe ich schon in meinem Post über das Zwischenseminar erzählt) besucht haben. Es war ganz anders, mal ein beninisches Dorf zu sehen, wenn man vorher immer nur die großen „Touristädte“ (Pobè mal ausgenommen) gesehen hat. Während unserer zwei Tage dort durften wir beim Töpfern und der Sojakäseherstellung zuschauen und einen nahegelegenen Berg besteigen. Das hat sehr viel Spaß gemacht, wenngleich die Mädels viel von einigen Problemen erzählten, mit denen sie in ihrer Einsatzstelle zu kämpfen haben. Das zu hören war schade, weil sie sich an sich dort sehr wohlfühlen, nur der Alltag halt immer wieder Schwierigkeiten mit sich bringt. 


In die erhitzte Sojamilch (wird aus der Masse von zuvor eingeweichten
und dann gemahlenen Sojabohnen ausgepresst) kommt Akassa(fermentierter Maisbrei)-Saft,
welcher als Lab dient

Als Nächstes fällt der Rohkäse aus

Dieser wird durch nochmal umgefüllt und ausgepresst.

Der Sojakäse wird geschnitten und dann frittiert. Aber auch in
der hier abgebildetetn Form kann man ihn schon essen😋

Töpfern von Hand als vererbtes Kunsthandwerk im Dorf

 
Wir mit Merle (l.) und Clara(r.) vor einer
wunderschönen Hügelkulisse

Unsere nächste Station war dann Natitingou im Nordwesten von Benin, welches wir mit dem Bus von Parakou aus in 5 Stunden erreicht hatten. Dort konnten wir bei einer anderen Freiwilligen unserer Entsendeorganisation unterkommen. Sie lebt ähnlich wie wir auf dem Hof ihrer Einsatzstelle, einem Webausbildungszentrum für junge Frauen. In den ersten Tagen ging es ihr leider nicht so gut und so spazierten wir allein durch die Stadt, erkundeten den Markt und besuchten die anderen zwei Freiwilligen in ihren Einsatzstellen, einer Grundschule und einem Schneiderinnenausbildungszentrum. Es war sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich wir alle dann doch leben und arbeiten!
Einen ganz besonderen Ausflug durften wir aber schon an unserem ersten Tag vor Ort unternehmen, als wir zu den nahe gelegenen Wasserfällen von Kota fuhren. Die Atmosphäre war sehr beruhigend und das Schwimmen im kühlen Wasser hat sehr viel Spaß gemacht. Allgemein fand ich die hügelige Landschaft von Natitingou sehr schön und war vor allem von der doch sehr modernen Infrastruktur (Supermärkte, asphaltierte Hauptstraßen, ein neues Marktgebäude, …) fasziniert- vor allem, weil Pobè dagegen doch eher dörflich wirkt. Aber auch wenn es viele Dinge gab, die ich bei den anderen Freiwilligen irgendwie „cooler“ fand, habe ich aus diesem Urlaub vor allem eines mitgenommen:
Auf den zweiten Blick ist dann doch gar nicht alles „besser“ (eh ein sehr limitiertes Wort zur Bewertung von so komplexen Zusammenhängen), sondern auch in den anderen Einsatzstellen hatte jede mit ihren Herausforderungen auf der Arbeit oder im Alltag zu kämpfen. Ich habe so gelernt, die Vorzüge meiner Einsatzstelle so mehr wertzuschätzen und zu akzeptieren, dass diese Herausforderungen einfach in unserem Dienst dazugehören und das Potenzial haben, an ihnen zu wachsen.


Sarah und ich winken unterm Wasserfall hervor👋


Aussicht von einem der Hügel in Natitingou

 

Auch ich durfte mal an den Webstuhl😄

 

Nun gehen heute die zweiwöchigen Osterferien der Kids zu Ende. Das ist natürlich auch hier immer ein wenig schade, wenn das Ausschlafen und Spielen in der Ferienzeit dem Alltag mit Frühaufstehen und Schulaufgaben weichen muss. Dennoch blicke ich mit Freude auf die Osterfeiertage zurück und bin sehr glücklich über den Spaß, den die Kids zusammen mit uns bei den geplanten Osteraktionen hatten. Am Donnerstag gab es zum Beispiel Schokoküchlein. Da wir im Centre keinen Ofen haben, garten wir den Teig über Wasserdampf- ähnlich wie Hefeklöße. Ich war sehr überrascht davon, wie gut das funktioniert hat und wie lecker die Küchlein am Ende waren!

 

Marie, Bossè, Joséphine, Charlotte, Sarah und
Alice (v.l.n.r.) beim Teig einfüllen

Unser improvisierter Ofen

Wie immer freue ich mich auch über Eure Fragen und hoffe, Ihr hattet alle schöne Osterfeiertage und einen guten Start in den Arbeitsalltag!

Ganz liebe Grüße aus Benin und Odabo!👋


Montag, 18. April 2022

Kleiner Ostergruß aus Pobè

 Hey Leute!

Nun habe ich schon wirklich etwas länger nichts mehr von mir hören lassen. Dabei ist wieder so viel passiert in letzter Zeit...

Aber ehrlich gesagt habe ich noch nicht so die Motivation gefunden, mich an meinen Laptop zu setzen und anzufangen, zu tippen. Dazu passieren einfach manchmal zu viele Dinge um mich herum, die man stattdessen machen könnte😅

Ich bin aber dran und möchte mit diesem Post pünktlich zum Ostermontag eine Vorstellung davon geben, wie wir dieses Jahr zusammen hier Ostern gefeiert haben. Denn auch bei uns wurden Eier gefärbt (mit Kurkuma und roten Zwiebelschalen wurden die Farben nicht ganz so intensiv, aber sie glänzten danach schön😁) und im Garten versteckt. Zuvor hatte jedes Kind auch ein Osternest gebastelt und konnte seine Beute dort hineinlegen. Alle hatten sehr viel Spaß beim Suchen und wir viel Spaß beim Zugucken!

In den nächsten Tagen wollen wir noch einen Film mit ihnen gucken und Schokoküchlein über Wasserdampf garen (wir haben hier keinen Ofen). Bin gespannt, wie das wird!☺

Ich hoffe, Ihr hattet alle auch ein schönes Osterfest und könnt die Feiertage mit Euren Liebsten genießen🐣.

Ganz liebe Grüße aus Pobè und bis bald...


...Sagen auch Maridiath, Christine, Timothée...

...Und Santos!👋




Montag, 28. Februar 2022

Von Konfliktbewältigung, hügeligen Landschaften und gegrillten Marshmallows

 

Hallo Leute!

Mein letzter Bericht vom Anfang des Jahres ist ja nun schon wieder einige Zeit her, in der wieder eine Menge Aufregendes passiert ist, von dem ich Euch im Folgenden gern ein wenig erzählen möchte.

Es ist Sonntagmorgen und ich sitze gerade auf unserer natte (einer Art Strohmatte) unter der Wäscheleine- leider nur im Halbschatten, weshalb ich jetzt schon ziemlich schwitze. Allgemein ist es in den letzten Tagen um die Mittagszeit immer recht heiß, was dann schon ziemlich anstrengend werden kann. Allerdings hat es am Mittwoch auch das erste Mal geregnet und heute weht ein kühlender Wind. Die Regenzeit beginnt laut Wikipedia erst Ende April, aber die Leute vor Ort haben uns erklärt, dass das schon seit einigen Jahren wegen des Klimawandels nicht mehr so klar vorhersehbar ist. Außerdem sagte man uns, dass einzelne Regengüsse in der Trockenzeit eine gute Ernte ankündigen würden. Das hoffen wir auch, denn auf unserem Hof beginnen die Mangobäume zu sprießen und die Avocados sollen ab April reif sein😊.

Nun geht der kurze Februarmonat morgen schon wieder zu Ende und ist mit seinen wenigen Wochen dann doch sehr schnell vorbei gewesen. Das sorgt dafür, dass sich die Ereignisse dann schon ziemlich verdichten, was es nicht gerade leichter macht, sich an alles exakt zu erinnern…

Der Monat begann ziemlich stressig, weshalb ich froh war, vor unserem Zwischenseminar nochmal mit Sarah in Porto-Novo zu verbringen. Wenngleich man mit dem Wort „Stadt“ nicht gerade Ruhe assoziiert, fand ich es wahnsinnig entspannend, mal einen Tapetenwechsel vorzunehmen. Wir waren viel auf dem Markt, kosteten neue Dinge und besichtigten die Stadt. Übernachten konnten wir im Hotel vom Centre Songhai, einem ökologischen Landwirtschaftsprojekt mitten in der Stadt, welches mit Pool sehr luxuriös ausgestattet war.


Unser erstes Frühstück: Venzou (weiße Bohnen)
mit Baguette, Sojakäse, Ananas und Melone

Das Hotelzimmer

Auf der Zem im abendlichen
Licht von Porto-Novo

Vom 15. bis zum 20.02. waren wir dann in Dassa-Zoumé, einer Stadt im südlichen Zentrum von Benin. Es ist umgeben von einer wunderschönen Hügellandschaft und somit auch die Hauptstadt des Départements der „Collines“ („Hügel“ auf Französisch). Dort hatten wir unser besagtes Zwischenseminar mit Sarah und Saskia, zwei ehemaligen Freiwilligen und teilweise Mitarbeiterinnen unserer Entsendeorganisation „Kinderhilfe Westafrika e.V.“. Obwohl das Seminar erst im Norden stattfinden sollte und ich mich schon sehr auf die Freiwilligen dort oben gefreut hatte, war ich schlussendlich froh über Dassa. Der Weg war nicht so weit (ca. 3 Stunden Busfahrt) und der Seminarort war echt schön. Saskia und Sarah hatten auf Google Maps kurzfristig eine ökologische Farm etwas außerhalb der Stadt gefunden, welche Touristen Verpflegung und Unterbringung anbietet.

In den Tagen vor Ort konnte ich die Ruhe in der idyllischen Atmosphäre sehr genießen, zumal der Alltag in den Wochen davor in unserer Einsatzstelle doch sehr anstrengend wurde. Vor allem genoss ich aber den Austausch mit den anderen Freiwilligen und lernte zwei Mädels einer anderen Entsendeorganisation kennen, welche an unserem Seminar teilnahmen. Es war sehr spannend, von den Erfahrungen und Erlebnissen der anderen zu erfahren und gleichzeitig zu erkennen, dass es bei allen an ähnlichen Stellen nicht so rund läuft. Auch wenn das komisch klingen mag, beruhigte mich das eher, als das es mir Angst machte. Denn manchmal kann es schon sein, dass man das Gefühl hat, man sei die Einzige, die Probleme hat. So konnten wir uns aber alle gut gegenseitig verstehen, uns Tipps geben und uns so gegenseitig motivieren, neue Dinge auszuprobieren und den Blickwinkel auf einige Gegebenheiten zu ändern. Neben den Unterhaltungen gab es noch einmal neuen Input zu Themen wie Konfliktbewältigung, Religion in Benin und Globales Lernen. Nebenbei hatten wir auch Zeit, uns über Projektideen für die nächste Hälfte unseres Jahres hier Gedanken zu machen. Der Teil hat mir besonders Spaß gemacht, weil ich hier nochmal einiges an Motivation für die nächsten Monate sammeln konnte. An einem Tag besuchten wir mit einem guide auch die collines. Der Aufstieg war ein wenig anstrengend, aber die Aussicht umso schöner.

Projektideen sammeln mit Merle, Selma,
Mariama und Béatrice (v.l.n.r.)

Weiter Blick über die Collines


Alles in allem konnte ich die Seminarzeit gut zum Ausspannen und Reflektieren der letzten Monate nutzen. In der Zeit davor gab es wirklich einige Dinge, die nicht ganz einfach für mich waren und die mich viel Grübeln lassen haben. Dies ließ mich ein wenig in meinen Handlungen verkrampfen, weshalb mein Fazit nach dem Seminar lautete, alles ein wenig entspannter angehen zu lassen.

Dies war in dieser Woche ein wenig leichter gesagt als getan, da die Kids Ferien hatten und unsere Vorfreiwillige Blia zu Besuch in Benin war. Da ich in der Seminarwoche nicht gerade viel Schlaf abgekriegt hatte, forderte mein Körper nun natürlich die verpasste Siesta wieder ein. Das sorgte dafür, dass ich nicht immer so hundertprozentig fit war…Dennoch genoss ich die Zeit mit Blia sehr. Mit ihr konnten wir uns viel über die Erfahrungen während ihres Jahres hier austauschen. Dabei gab sie uns viele nützliche Tipps und Anregungen zu Projekten, die man mit den Kindern realisieren könnte. Während der Woche hieß es dann neben einigen Hausaufgaben viel spielen, malen und lesen. An ihrem letzten Abend gab es am Freitag gegrillte Marshmallows, die die Kids sehr lecker fanden (auch wenn hier und da mal einer gern auch kurz brannte😊).


Leckere Marshmallows überm
 Lagerfeuer grillen

Posieren darf dabei nicht fehlen:
(v.l..n.r.) Alice, Charlotte, Sylvain und Sarah


Bon travail: (v.l.n.r.) Sylvain, Odile, Bossé, Maridiath, Faidath und Bossé
lösen Sarahs Mèches (Kunsthaar fürs Zöpfeflechten)

Von Mittwochabend bis Freitagmorgen kam zusätzlich noch Sarah zum Einsatzstellenbesuch bei uns vorbei. Nach einem längeren Regenguss folgte auf ihre Ankunft eine Versammlung mit dem Gründerehepaar und allen Mitarbeiter*innen der NGO. Das Haus war nun also ziemlich voll, was nicht gerade Entspannungsmöglichkeiten schuf, aber auch aufregend war…Am nächsten Tag führte Sarah viele administrative Gespräche mit den Angestellten, während wir mit den Kindern spielten. Vor ihrer Abfahrt am Freitagmorgen gab es dann aber nochmal eine Besprechung, an der wir teilnehmen konnten. Bei dieser stellten wir unsere Ideen zur Verbesserung der schulischen Ausbildung der Kinder vor. Diese betreffen vor allem das Lesen und Schreiben, auf das wir uns nun vorrangig konzentrieren möchten. Um das besser umsetzen zu können, ist viel Planung mit allen Mitarbeiter*innen nötig. Das gehen wir dann zusammen ab morgen an, wenn die Kids wieder in der Schule sind.

È Ku’iche oder bon travail ! (übersetzt so viel wie „Frohes Arbeiten!“) also an alle Beteiligten!

Freitag, 7. Januar 2022

Von gekochter Apfelschorle, weihnachtlichem Wikingerschach und großen Lebensfragen

È Caro (Guten Morgen) Leute!

Nun ist es wirklich schon ein bisschen länger her, dass ich etwas von mir hören lasse. Im vergangenen Monat war sehr viel los, sodass es selten ruhige Momente zum Schreiben gab (zugegeben: es ist auch immer eine kleine Überwindung, mich an den Laptop zu setzen😊).


Doch auch eben weil so viel passiert ist und sich einige fleißige Leser schon auf meinen neuen Blogeintrag freuen (danke für das Interesse an dieser Stelle!!!), möchte ich Euch im Folgenden ein kleines Update aus Pobè geben. Man neigt hier schnell dazu, seinen Leuten zu Hause ALLES erzählen zu wollen, um das bestmögliche Bild von der Einsatzstelle, den Menschen vor Ort und der Kultur zu zeichnen. Da das aber natürlich für diese wenigen Zeilen eine echt große Aufgabe ist, werde ich mich wohl oder übel auf das wichtigste (oder das, was hängen geblieben ist😊) beschränken müssen…

Doch bevor ich starte: Ich hoffe von Herzen, Ihr hattet alle wunderschöne (weiße) Weihnachten, die Ihr im Kreise Euer Liebsten gemütlich verbringen konntet. Außerdem wünsche ich Euch nachträglich einen guten Rutsch ins neue Jahr 2022, welches hoffentlich viele neue Dinge für Euch bereithält!

 

Weihnachtsbaum, Vogel-mobile
und Weihnachtsdeko im Salon

Ich war nie so wirklich ein Mensch von guten Vorsätzen für das neue Jahr. Die sind bei mir eh immer schief gegangen und hatten für mich immer viel von Zwang und Verpflichtung; daher halte ich nicht so viel davon. Wenn ich dieses Jahr allerdings einen Wunsch auf einen Zettel hätte schreiben müssen, wäre es folgender gewesen: meinen Weg finden. Für viele mag das jetzt sehr vage klingen, aber für mich haben diese drei Worte in den letzten Wochen irgendwie an Bedeutung gewonnen. Warum ist das so? Damit Ihr meine Situation ein bisschen besser nachvollziehen könnt, müsste ich dazu vielleicht ein wenig weiter vorne beginnen…

An die Wochen vor Weihnachten kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht so gut erinnern. Das mag daran liegen, dass die Tage relativ gleichförmig und ohne besondere Ereignisse verliefen: Kinder zur Schule bringen, unser Zeug wie Haushalt oder Berichte erledigen, Kinder von der Schule abholen und abends Lektionen mit ihnen wiederholen. Eine Besonderheit im Dezember war allerdings der Adventskalender, den wir den Kids gebastelt hatten. Jeden Abend durfte eins (oder manchmal zwei) von ihnen einen Socken mit einer Süßigkeit und einem Zettel öffnen. Auf letzterem stand jeweils ein Teil der Weihnachtsgeschichte „Ein großer Tag für Vater Martin“, die wir ins Französische übersetzt hatten. Auch wenn der Bonbon meistens interessanter war als die Geschichte, konnten wir doch ein paar Kids damit catchen.

Am vierten Adventswochenende bekamen wir dann noch einmal Besuch von unseren Mitfreiwilligen aus Porto-Novo (Emma und Salomé) und Natitingou (Selma). Zusammen waren wir in einer Art Forschungszentrum für Palmöl und konnten dort ein schönes Picknick machen. Der Ausflug und der Austausch mit den anderen hat uns gutgetan und war nochmal entspannend, bevor dann die doch recht stressige Vorweihnachtszeit losging.

 

Am 22. Dezember war dann der letzte Schultag der Kids und anstatt sich auszuruhen (mittlerweile kränkelten alle ein wenig mit Husten und Schnupfen), standen einige Verpflichtungen auf dem Plan, darunter Chorprobe für den Weihnachtsgottesdienst, Friseur für eine schicke Frisur und die Begrüßung vieler Gäste mit Tanz & Gesang. Zur Weihnachtszeit interessieren sich nämlich, so wurde es uns erklärt, viele (wohlhabende) Menschen oder auch gemeinnützige Organisationen für die Kinder und die ONG; ähnlich wie in Deutschland, wo es am Ende des Jahres viele Spendenkampagnen gibt. Die Geschenke der Gäste waren dann auch mehr für die ONG an sich und die Essensversorgung der Kids gedacht. Es gab unter anderem große Säcke mit Couscous, Reis oder viele Päckchen Nudeln. Umso mehr ein Grund, warum sich die Kinder über unser Geschenk am 25.12 vielleicht ein wenig mehr freuten: ein Wikingerschach (Kubb)- Spiel, mit dem sie am nächsten Tag auch gleich spielen wollten. 

 

Besuch von einer Initiative, die sich
mit den Nachhaltigkeitszielen beschäftigt

Der Heiligabend war auch ziemlich vollgepackt. Zunächst ging ich (Sarah war am Abend mit einer Art grippalem Infekt mit Fieber erkrankt) mit den Kids zum Sozialzentrum der Stadt, in dem jedes Jahr zu Weihnachten die Bürgermeisterin einen Weihnachtsmann organisiert, der den Kids von ihr gesponsorte Geschenke überreicht. Das war sehr interessant mit anzuschauen, wenngleich es irgendwie komisch war, dass der Weihnachtsmann weiß war. Am Abend ging es dann zur Messe, die diesmal ein wenig interessanter war. Es wurde mehr getanzt und die Kids haben viele Sachen vorgeführt! Insgesamt ging das ganze bis 1h30, weshalb ich danach eigentlich nur noch müde ins Bett fallen konnte. Am ersten Weihnachtstag gab es dann das Geschenk unterm Weihnachtsbaum und es wurde zusammen gegessen und Limonade getrunken. Nachmittags sind Sarah und ich dann ins Krankenhaus, um eine mögliche Malariaerkrankung auszuschließen (der Test war negativ😊). Es war ein bisschen seltsam, Weihnachten ins Krankenhaus zu fahren, aber seltsamerweise habe ich die Ruhe dort sehr genossen, während zu Hause ziemlich viel los war. Am Abend kochten wir dann mit den Kindern Kinderpunsch (mit Apfelschorle und Hibiskustee, Zimtstangen, Nelken und Orangen), der viel Begeisterung auslöste.

 !!!Hier noch ein kleiner Einschub meinerseits, und zwar was die Geschenke der Kids angeht. Mit dem Spiel und dem Punsch haben wir uns wirklich Mühe gegeben, kreativ zu sein. Ihr müsst wissen, dass Sarah und ich hier nicht die ersten Freiwilligen sind. Die „Generationen“ vor uns haben auch schon viele Dinge mit den Kindern gemacht und somit ist es also nur natürlich, dass sich im Laufe der Jahre gewisse Erwartungen und Ansprüche entwickelt haben, die nun irgendwo auch wir erfüllen mussten. Diese äußerten die Kids auch, indem sie uns fragten, wann sie Geschenke bekommen oder ob wir das Gleiche wie die anderen „Tatas“ mit Ihnen machen. Diese Fragen trugen zum vorweihnachtlichen Stress bei. Ohne den Fakt zu ignorieren, dass vor uns schon Freiwillige in unserer Einsatzstelle waren, haben wir versucht, die Erwartungen anzuhören und einen Mittelweg zwischen alten Aktionen und Dinge, auf die wir Lust hatten, zu finden!!!

 

Der Weihnachtsmann übergibt Santos sein Geschenk
(rechts sieht man unseren Mentor)

Die Kirche ist geschmückt...

Die Mädels tanzen ausgelassen


Mein Outfit für die Heiligabend-Messe

 

Am 26.12. gingen die Kinder wieder zur Kirche; es war schließlich Sonntag. Ich nutzte die Zeit zum Wäsche waschen und Sarah zum Sich ausruhen. Nach dem ganzen Trubel mussten die Kids und wir uns erstmal eine Runde Ausschlafen und bis Silvester war dann eher Chillen angesagt. Das neue Jahr wurde hier wieder in der Kirche begonnen und auch wenn die Messe ein wenig unspektakulärer als zu Weihnachten gefeiert wurde, war um 0h feierlich 2022 zu bejubeln echt cool! Danach passierte dann aber nicht mehr so viel und Sarah und ich nutzten die Ruhe, um unseren Start in das Jahr mit ein paar Folgen einer Serie zu feiern und die Nacht so auf unsere Art ein wenig „durchzumachen“.

 

Im Großen und Ganzen kann ich also sagen, dass ich ein schönes, aber ziemlich anderes Weihnachten hier in Pobè verbringen durfte. Vor allem hat mir ein wenig der Gemütlichkeitsaspekt gefehlt. Das lag unter anderem an der Hitze, bei der es sich echt schwer in Weihnachtsstimmung kommen lässt, aber auch an der Krankheit von Sarah. Es war ein wenig schwer, ihr dabei zuzusehen, wie sie den ganzen Tag eigentlich nichts machen konnte außer rumzuliegen. Hinzu kommt, dass wir beide zum ersten Mal so weit weg von unseren Familien Weihnachten verbracht haben. Ein wenig hat uns das schon runtergezogen und offen gesagt kann man diese Phase als einen kleinen Dämpfer unserer Zeit hier bezeichnen. Das gehört aber dazu, so wurde uns im Vorbereitungsseminar auch erklärt, dass die Honeymoon-Phase (alles ist neu und cool) irgendwann vorbeigeht.

 

nächtliche Puddingaktion mit Marie,
Timothée, Charlotte und Sarah (l.n.r.)

Sarah geht es jetzt aber viel besser und wir haben beschlossen, die letzten Wochen ein wenig hinter uns zu lassen und die Phase als Teil unseres Lernprozesses (jede Erfahrung ist wertvoll!) hier vor Ort zu akzeptieren. Das klappt ganz gut und nachdem ich in diesem Bericht nochmal alles für Euch aufgerollt habe, wäre das dann endgültig geschafft!

Ich möchte nun nach vorne schauen und lernen, mit den Ansprüchen an mich und an das FSJ sowie allgemein mit diesem Jahr hier umzugehen. Denn auch in den letzten Wochen kamen viele Fragen auf, die ich erstmal ein wenig für mich klären muss und die ich auch mit Sarah schon viel besprochen habe: Was ist unsere Rolle hier vor Ort; was unsere Pflichten& Aufgaben und was unsere Freiheiten? Wie gehen wir mit den Ansprüchen der Leute an uns und unseren Dienst um? Möchten wir unser Jahr hier verlängern? Was möchte ich hiernach machen?

Besonders die letzten beiden Fragen beschäftigen mich in letzter Zeit immer wieder und lassen mich oft ein wenig verzweifeln. Da hilft es, mit Sarah eine gute Gesprächspartnerin zu haben und sich ansonsten konkrete Aufgaben zu suchen. Da tut mir vor allem die Arbeit mit den Kindern gut. Seit Sonntag machen wir wieder ein wenig Schule mit ihnen und seit gestern begleiten wir sie auch wieder auf ihrem Schulweg. Sie machen wirklich Fortschritte und besonders ein Mädchen ist sehr motiviert und liest mir seit einigen Tagen jeden Abend etwas aus dem „Petit Nicolas“ vor. Das finde ich echt beeindruckend und freue mich über jeden Fortschritt, den sie macht!

Diesen Bericht schreibe ich im Internetcafé von Pobè, in dem ich schon einmal einen Film für die Kids heruntergeladen habe. Heute Abend soll es dann „Madagaskar“ geben und auch wir freuen uns schon darauf😊.

Wir haben jetzt Strom: Das erste Mal zu Hause
Laptop laden musste festgehalten werden.
 

Jetzt fahre ich erstmal nach Hause und bereite mit Sarah noch ein paar Dinge vor. Oder ich ruhe mich noch ein bisschen aus, denn das Wochenende wird spannend! Am Sonntag möchte der Mentor mit uns ein spectacle in der Stadt besuchen und am Montag, dem Voodoo-Feiertag, geht es mit dem Buchhalter und anderen Freiwilligen aus Porto-Novo, Cotonou und Natitingou nach Ouidah zum Voodoo-Festival! Bin schon ganz gespannt, wie das wird!

Jetzt wünsche ich Euch allen aber erstmal ein wunderschönes und erholsames Wochenende! 

Odabo à toutes et à tous !

Clara

PS: Wenn Euch interessiert, was ich zum Thema Weihnachten den Schüler*Innen des ISG Rostock erzählt habe, schaut doch gerne hier vorbei: 

https://www.instagram.com/tv/CYZuVvBIOm5/?utm_medium=copy_link

Sonntag, 5. Dezember 2021

Here we go again...

Hallo Leute!

Ich hoffe, es geht Euch allen gut. Die ersten Schneebilder konnte ich schon auf einigen WhatsApp- Staten bewundern und ehrlich gesagt kaum glauben. Hier sind es aktuell um die 34 °C und da ist Weihnachtsstimmung etwas anders definiert😅. Dennoch bin ich schon wahnsinnig gespannt auf die Weihnachtszeit vor Ort und mein erstes Weihnachtsfest über 30 °C! Auch wenn ich bestimmt nochmal einen Post machen werde, wo ich genauer davon berichten werde, hier erstmal ein kleines Update:

https://www.instagram.com/tv/CW_h3D9JeKv/?utm_medium=copy_link

Unter diesem Link findet ihr das nächste Video, welches ich für meine Schule (welche mich bei meinem Projekt stark unterstützt) gedreht habe. Hier könnt Ihr meine Einsatzstelle nochmal in Live betrachten und Euch ein Bild davon machen. Viel Spaß!😊

Odabo!

Clara
PS: Euch allen einen schönen zweiten Advent!

Benin ade, ...

Hallo Leute! Nun ist es schon über einen Monat her, dass ich wieder zurück in Deutschland bin und ich kann sagen, es fühlt sich manchmal i...