Freitag, 7. Januar 2022

Von gekochter Apfelschorle, weihnachtlichem Wikingerschach und großen Lebensfragen

È Caro (Guten Morgen) Leute!

Nun ist es wirklich schon ein bisschen länger her, dass ich etwas von mir hören lasse. Im vergangenen Monat war sehr viel los, sodass es selten ruhige Momente zum Schreiben gab (zugegeben: es ist auch immer eine kleine Überwindung, mich an den Laptop zu setzen😊).


Doch auch eben weil so viel passiert ist und sich einige fleißige Leser schon auf meinen neuen Blogeintrag freuen (danke für das Interesse an dieser Stelle!!!), möchte ich Euch im Folgenden ein kleines Update aus Pobè geben. Man neigt hier schnell dazu, seinen Leuten zu Hause ALLES erzählen zu wollen, um das bestmögliche Bild von der Einsatzstelle, den Menschen vor Ort und der Kultur zu zeichnen. Da das aber natürlich für diese wenigen Zeilen eine echt große Aufgabe ist, werde ich mich wohl oder übel auf das wichtigste (oder das, was hängen geblieben ist😊) beschränken müssen…

Doch bevor ich starte: Ich hoffe von Herzen, Ihr hattet alle wunderschöne (weiße) Weihnachten, die Ihr im Kreise Euer Liebsten gemütlich verbringen konntet. Außerdem wünsche ich Euch nachträglich einen guten Rutsch ins neue Jahr 2022, welches hoffentlich viele neue Dinge für Euch bereithält!

 

Weihnachtsbaum, Vogel-mobile
und Weihnachtsdeko im Salon

Ich war nie so wirklich ein Mensch von guten Vorsätzen für das neue Jahr. Die sind bei mir eh immer schief gegangen und hatten für mich immer viel von Zwang und Verpflichtung; daher halte ich nicht so viel davon. Wenn ich dieses Jahr allerdings einen Wunsch auf einen Zettel hätte schreiben müssen, wäre es folgender gewesen: meinen Weg finden. Für viele mag das jetzt sehr vage klingen, aber für mich haben diese drei Worte in den letzten Wochen irgendwie an Bedeutung gewonnen. Warum ist das so? Damit Ihr meine Situation ein bisschen besser nachvollziehen könnt, müsste ich dazu vielleicht ein wenig weiter vorne beginnen…

An die Wochen vor Weihnachten kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht so gut erinnern. Das mag daran liegen, dass die Tage relativ gleichförmig und ohne besondere Ereignisse verliefen: Kinder zur Schule bringen, unser Zeug wie Haushalt oder Berichte erledigen, Kinder von der Schule abholen und abends Lektionen mit ihnen wiederholen. Eine Besonderheit im Dezember war allerdings der Adventskalender, den wir den Kids gebastelt hatten. Jeden Abend durfte eins (oder manchmal zwei) von ihnen einen Socken mit einer Süßigkeit und einem Zettel öffnen. Auf letzterem stand jeweils ein Teil der Weihnachtsgeschichte „Ein großer Tag für Vater Martin“, die wir ins Französische übersetzt hatten. Auch wenn der Bonbon meistens interessanter war als die Geschichte, konnten wir doch ein paar Kids damit catchen.

Am vierten Adventswochenende bekamen wir dann noch einmal Besuch von unseren Mitfreiwilligen aus Porto-Novo (Emma und Salomé) und Natitingou (Selma). Zusammen waren wir in einer Art Forschungszentrum für Palmöl und konnten dort ein schönes Picknick machen. Der Ausflug und der Austausch mit den anderen hat uns gutgetan und war nochmal entspannend, bevor dann die doch recht stressige Vorweihnachtszeit losging.

 

Am 22. Dezember war dann der letzte Schultag der Kids und anstatt sich auszuruhen (mittlerweile kränkelten alle ein wenig mit Husten und Schnupfen), standen einige Verpflichtungen auf dem Plan, darunter Chorprobe für den Weihnachtsgottesdienst, Friseur für eine schicke Frisur und die Begrüßung vieler Gäste mit Tanz & Gesang. Zur Weihnachtszeit interessieren sich nämlich, so wurde es uns erklärt, viele (wohlhabende) Menschen oder auch gemeinnützige Organisationen für die Kinder und die ONG; ähnlich wie in Deutschland, wo es am Ende des Jahres viele Spendenkampagnen gibt. Die Geschenke der Gäste waren dann auch mehr für die ONG an sich und die Essensversorgung der Kids gedacht. Es gab unter anderem große Säcke mit Couscous, Reis oder viele Päckchen Nudeln. Umso mehr ein Grund, warum sich die Kinder über unser Geschenk am 25.12 vielleicht ein wenig mehr freuten: ein Wikingerschach (Kubb)- Spiel, mit dem sie am nächsten Tag auch gleich spielen wollten. 

 

Besuch von einer Initiative, die sich
mit den Nachhaltigkeitszielen beschäftigt

Der Heiligabend war auch ziemlich vollgepackt. Zunächst ging ich (Sarah war am Abend mit einer Art grippalem Infekt mit Fieber erkrankt) mit den Kids zum Sozialzentrum der Stadt, in dem jedes Jahr zu Weihnachten die Bürgermeisterin einen Weihnachtsmann organisiert, der den Kids von ihr gesponsorte Geschenke überreicht. Das war sehr interessant mit anzuschauen, wenngleich es irgendwie komisch war, dass der Weihnachtsmann weiß war. Am Abend ging es dann zur Messe, die diesmal ein wenig interessanter war. Es wurde mehr getanzt und die Kids haben viele Sachen vorgeführt! Insgesamt ging das ganze bis 1h30, weshalb ich danach eigentlich nur noch müde ins Bett fallen konnte. Am ersten Weihnachtstag gab es dann das Geschenk unterm Weihnachtsbaum und es wurde zusammen gegessen und Limonade getrunken. Nachmittags sind Sarah und ich dann ins Krankenhaus, um eine mögliche Malariaerkrankung auszuschließen (der Test war negativ😊). Es war ein bisschen seltsam, Weihnachten ins Krankenhaus zu fahren, aber seltsamerweise habe ich die Ruhe dort sehr genossen, während zu Hause ziemlich viel los war. Am Abend kochten wir dann mit den Kindern Kinderpunsch (mit Apfelschorle und Hibiskustee, Zimtstangen, Nelken und Orangen), der viel Begeisterung auslöste.

 !!!Hier noch ein kleiner Einschub meinerseits, und zwar was die Geschenke der Kids angeht. Mit dem Spiel und dem Punsch haben wir uns wirklich Mühe gegeben, kreativ zu sein. Ihr müsst wissen, dass Sarah und ich hier nicht die ersten Freiwilligen sind. Die „Generationen“ vor uns haben auch schon viele Dinge mit den Kindern gemacht und somit ist es also nur natürlich, dass sich im Laufe der Jahre gewisse Erwartungen und Ansprüche entwickelt haben, die nun irgendwo auch wir erfüllen mussten. Diese äußerten die Kids auch, indem sie uns fragten, wann sie Geschenke bekommen oder ob wir das Gleiche wie die anderen „Tatas“ mit Ihnen machen. Diese Fragen trugen zum vorweihnachtlichen Stress bei. Ohne den Fakt zu ignorieren, dass vor uns schon Freiwillige in unserer Einsatzstelle waren, haben wir versucht, die Erwartungen anzuhören und einen Mittelweg zwischen alten Aktionen und Dinge, auf die wir Lust hatten, zu finden!!!

 

Der Weihnachtsmann übergibt Santos sein Geschenk
(rechts sieht man unseren Mentor)

Die Kirche ist geschmückt...

Die Mädels tanzen ausgelassen


Mein Outfit für die Heiligabend-Messe

 

Am 26.12. gingen die Kinder wieder zur Kirche; es war schließlich Sonntag. Ich nutzte die Zeit zum Wäsche waschen und Sarah zum Sich ausruhen. Nach dem ganzen Trubel mussten die Kids und wir uns erstmal eine Runde Ausschlafen und bis Silvester war dann eher Chillen angesagt. Das neue Jahr wurde hier wieder in der Kirche begonnen und auch wenn die Messe ein wenig unspektakulärer als zu Weihnachten gefeiert wurde, war um 0h feierlich 2022 zu bejubeln echt cool! Danach passierte dann aber nicht mehr so viel und Sarah und ich nutzten die Ruhe, um unseren Start in das Jahr mit ein paar Folgen einer Serie zu feiern und die Nacht so auf unsere Art ein wenig „durchzumachen“.

 

Im Großen und Ganzen kann ich also sagen, dass ich ein schönes, aber ziemlich anderes Weihnachten hier in Pobè verbringen durfte. Vor allem hat mir ein wenig der Gemütlichkeitsaspekt gefehlt. Das lag unter anderem an der Hitze, bei der es sich echt schwer in Weihnachtsstimmung kommen lässt, aber auch an der Krankheit von Sarah. Es war ein wenig schwer, ihr dabei zuzusehen, wie sie den ganzen Tag eigentlich nichts machen konnte außer rumzuliegen. Hinzu kommt, dass wir beide zum ersten Mal so weit weg von unseren Familien Weihnachten verbracht haben. Ein wenig hat uns das schon runtergezogen und offen gesagt kann man diese Phase als einen kleinen Dämpfer unserer Zeit hier bezeichnen. Das gehört aber dazu, so wurde uns im Vorbereitungsseminar auch erklärt, dass die Honeymoon-Phase (alles ist neu und cool) irgendwann vorbeigeht.

 

nächtliche Puddingaktion mit Marie,
Timothée, Charlotte und Sarah (l.n.r.)

Sarah geht es jetzt aber viel besser und wir haben beschlossen, die letzten Wochen ein wenig hinter uns zu lassen und die Phase als Teil unseres Lernprozesses (jede Erfahrung ist wertvoll!) hier vor Ort zu akzeptieren. Das klappt ganz gut und nachdem ich in diesem Bericht nochmal alles für Euch aufgerollt habe, wäre das dann endgültig geschafft!

Ich möchte nun nach vorne schauen und lernen, mit den Ansprüchen an mich und an das FSJ sowie allgemein mit diesem Jahr hier umzugehen. Denn auch in den letzten Wochen kamen viele Fragen auf, die ich erstmal ein wenig für mich klären muss und die ich auch mit Sarah schon viel besprochen habe: Was ist unsere Rolle hier vor Ort; was unsere Pflichten& Aufgaben und was unsere Freiheiten? Wie gehen wir mit den Ansprüchen der Leute an uns und unseren Dienst um? Möchten wir unser Jahr hier verlängern? Was möchte ich hiernach machen?

Besonders die letzten beiden Fragen beschäftigen mich in letzter Zeit immer wieder und lassen mich oft ein wenig verzweifeln. Da hilft es, mit Sarah eine gute Gesprächspartnerin zu haben und sich ansonsten konkrete Aufgaben zu suchen. Da tut mir vor allem die Arbeit mit den Kindern gut. Seit Sonntag machen wir wieder ein wenig Schule mit ihnen und seit gestern begleiten wir sie auch wieder auf ihrem Schulweg. Sie machen wirklich Fortschritte und besonders ein Mädchen ist sehr motiviert und liest mir seit einigen Tagen jeden Abend etwas aus dem „Petit Nicolas“ vor. Das finde ich echt beeindruckend und freue mich über jeden Fortschritt, den sie macht!

Diesen Bericht schreibe ich im Internetcafé von Pobè, in dem ich schon einmal einen Film für die Kids heruntergeladen habe. Heute Abend soll es dann „Madagaskar“ geben und auch wir freuen uns schon darauf😊.

Wir haben jetzt Strom: Das erste Mal zu Hause
Laptop laden musste festgehalten werden.
 

Jetzt fahre ich erstmal nach Hause und bereite mit Sarah noch ein paar Dinge vor. Oder ich ruhe mich noch ein bisschen aus, denn das Wochenende wird spannend! Am Sonntag möchte der Mentor mit uns ein spectacle in der Stadt besuchen und am Montag, dem Voodoo-Feiertag, geht es mit dem Buchhalter und anderen Freiwilligen aus Porto-Novo, Cotonou und Natitingou nach Ouidah zum Voodoo-Festival! Bin schon ganz gespannt, wie das wird!

Jetzt wünsche ich Euch allen aber erstmal ein wunderschönes und erholsames Wochenende! 

Odabo à toutes et à tous !

Clara

PS: Wenn Euch interessiert, was ich zum Thema Weihnachten den Schüler*Innen des ISG Rostock erzählt habe, schaut doch gerne hier vorbei: 

https://www.instagram.com/tv/CYZuVvBIOm5/?utm_medium=copy_link

Sonntag, 5. Dezember 2021

Here we go again...

Hallo Leute!

Ich hoffe, es geht Euch allen gut. Die ersten Schneebilder konnte ich schon auf einigen WhatsApp- Staten bewundern und ehrlich gesagt kaum glauben. Hier sind es aktuell um die 34 °C und da ist Weihnachtsstimmung etwas anders definiert😅. Dennoch bin ich schon wahnsinnig gespannt auf die Weihnachtszeit vor Ort und mein erstes Weihnachtsfest über 30 °C! Auch wenn ich bestimmt nochmal einen Post machen werde, wo ich genauer davon berichten werde, hier erstmal ein kleines Update:

https://www.instagram.com/tv/CW_h3D9JeKv/?utm_medium=copy_link

Unter diesem Link findet ihr das nächste Video, welches ich für meine Schule (welche mich bei meinem Projekt stark unterstützt) gedreht habe. Hier könnt Ihr meine Einsatzstelle nochmal in Live betrachten und Euch ein Bild davon machen. Viel Spaß!😊

Odabo!

Clara
PS: Euch allen einen schönen zweiten Advent!

Freitag, 5. November 2021

Achso...

 ...was mir gerade noch eingefallen ist:

Falls Ihr Wünsche oder Anregungen habt, auf welche Themen ich noch einmal genauer in diesem Blog eingehen könnte, dann schreibt es gern in die Kommentare! Ich bin für alles offen und es gibt genug zu erzählen:)

Natürlich ist die Kommentarfunktion aber auch für Kritik da. Also, wenn Euch etwas nicht so gefällt, dann gern raus damit!

Ë cheoun gan! (Vielen Dank)

Odabo👋 

Donnerstag, 4. November 2021

Von selbstgebauten Mausefallen, grinsenden Papayas und viieell Schule

Hallo Leute!

Nun ist es schon eine Weile her, dass ich nichts mehr von mir hören lassen habe. Vier ereignisreiche Wochen in Pobè liegen aber wieder hinter mir, weshalb ich im Folgenden versuchen möchte, die für mich wichtigsten Eindrücke für Euch festzuhalten.

❗Bevor ich beginne, möchte ich noch einmal deutlich machen, dass alles Geschriebene in meinem Blog eine subjektive Wahrnehmung ist. Die geschilderten Dinge sind daher weder auf ganz Benin, noch auf ganz Afrika übertragbar. Ich möchte hier also nochmal ausdrücklich betonen, dass das Erzählte meine persönlichen Gedanken und Erfahrungen zum Alltag in meiner Einsatzstelle in Pobè widerspiegelt❗

Nach unserer eher mäßig aufregenden Woche in Porto-Novo kehrten wir am Sonntag also zurück in das Waisenhaus in Pobè. Mit dem Montag (04/10) begann dann erstmal eine entspanntere Woche, in der wir vor allem Haushaltskram regelten, wie z.B. Wäschewaschen oder Badputzen. Langsam kamen auch dort schon die älteren Kinder für Hausaufgabenhilfe auf uns zu. Dabei waren vor allem Englisch und P.C.T. (Physik, Chemie, Technologie) gefragt, obwohl natürlich jedes Kind eigene Stärken und Schwächen hat, weshalb der Bedarf an Fächern immer variierte. Am Wochenende starteten wir unser erstes „größeres“ Projekt (wir bastelten einen Geburtstagskalender) und gingen mit unseren frisch geschneiderten Kleidern zur Chorprobe am Samstag und zur Kirche am Sonntag. Während wir uns beim Gottesdienst eher langweilten (es wurde viel auf der Regionalsprache gepredigt), war es schon eine spannende Erfahrung.


unser erster Gang zur Kirche, inklusive Kleid und Kopftuch!

Der Geburtstagskalender wird aufgehängt.


Die zweite Woche gestaltete sich dann ziemlich ereignisreich, da Maman uns an einem Abend bat, von nun an jeden Abend nach Schulschluss abwechselnd mit der CE1 (2.Klasse) und CE2 (3.Klasse) ihre Lektionen für den nächsten Tag durchzugehen. Einerseits freuten wir uns über diese Arbeit, andererseits war es wirklich anstrengend. Das lag vor allem daran, dass die Kinder durch den späten Schulschluss (17/18h) wirklich fertig sind und außerdem innerhalb der Klassengruppe unterschiedliche Lernstandniveaus herrschen. Trotz dieser Probleme hatten wir im Großen und Ganzen das Gefühl, dass die Kinder vieles Erklärte relativ gut verstehen. Man kann aber schon sagen, dass wir in der Anfangsphase echt überfordert waren. Das lag aber auch vor allem daran, dass uns das beninische Schulsystem einfach noch zu unbekannt ist. Bisher hatten wir nämlich eher das Gefühl, dass vor Ort mehr wert auf dem Auswendiglernen der Lektion als auf dem tatsächlichen Verstehen der Wörter liegt. Dennoch versuchen wir irgendwie den Spagat zwischen spielerischen Methoden und Vermittlung des Stoffes zu schaffen. Aber, man hat es vielleicht schon herausgehört: Die Aufgabe ist schwerer als gedacht, wenngleich ich mich auch auf die Herausforderung jeden Tag freue. Während die Kinder vormittags in der Schule arbeiteten, waren wir viel mit unserem Mentor unterwegs, um z.B. auf dem Markt Früchte zu kaufen🍍.


unser erster (Groß-)einkauf


Am Freitag haben wir uns bei der Gelegenheit Zöpfe machen lassen und unsere Pagnes (eine Art Wickelrock) bekommen. Da ich das Gefühl habe, dass in Deutschland viel über das Thema der kulturellen Aneignung diskutiert wird, musste ich dabei daran denken und habe mich gefragt, ob es wirklich nicht komisch ist. Meine Zweifel konnten aber schnell beruhigt werden, da alle uns nahe Stehenden uns versicherten, dass die Einheimischen das nicht so empfinden würden und sich eher darüber freuen, wie wir ihre Kultur damit wertschätzen. Und Leute, ganz ehrlich: Die Zöpfe sind bei dieser Hitze einfach wahnsinnig praktisch, was hier wirklich ein starkes Argument darstellt🥵.



Mamans stolzer Schnappschuss: wir beiden mit Pagne und Oberteil

Ich kriege als erstes Zöpfe, nicht ganz ohne Schmerzen:)


Die letzten beiden Wochen gingen dann sehr ereignisreich weiter. Die Abende verbrachten wir mit Lektionen lernen, während wir die Vormittage für Haushalt (dazu gehörte auch einmal das Fangen einer Maus🐀) und Vorbereitungen nutzten. An einem Tag wurden wir dann auch von dem Directeur auf unsere Arbeit angesprochen. Es ging um das Heft eines Jungen, der einige rote Einträge im Heft hatte, da er seine Lektionen nicht konnte. Im Folgenden bat er uns- wenn möglich- demnächst darauf zu achten, alle Lektionen für den jeweils folgenden Tag mit den Kids aller Klassenstufen zu lernen. Wir bekamen die Stundenpläne und sprachen mit einigen Lehrer*Innen. Von nun an versuchten wir, jeden Abend mit der CE1 und CE2 zu üben und nach dem Abendessen oder am Mittwochnachmittag (Schulschluss um 12h) die älteren Klassen (CM1 und CM2, 4. und 5. Klasse) auf Bedarf anzusprechen. Auch wenn das oft sehr anstrengend ist (die Aufmerksamkeit der Kinder ist einfach nach ihrem langen Tag nicht mehr so groß), freuen wir uns über unsere Arbeit. Einerseits, weil wir dann wirklich etwas zu tun haben und andererseits, weil ich wirklich das Gefühl habe, dass wir zumindest manchmal den Kindern Dinge verständlich machen können und ihnen damit helfen.

unsere erste selbstgebaute Mausefalle 

Hausaufgaben erfolgreich geschafft mit der CM1 (von links: Sarah, Justin und Boss aus der CM1, Christophe und Faidath aus der CE1)


Natürlich versuchen wir, nicht nur Schulisches mit ihnen zu machen. Allerdings ist es nicht immer so einfach neben den ganzen Lektionen die Kinder aus ihrem Alltag zu holen und Dinge zu finden, die ihnen Spaß machen. Dennoch haben wir letztes Wochenende anlässlich Halloween Papayas🎃 geschnitzt und Ausmalbildchen vorbereitet. Das war, ähnlich wie beim ersten Projekt mit dem Geburtstagskalender, recht chaotisch. Aber als die Kinder beim Abendessen still und bewundernd auf die wirklich wunderschön leuchtenden Früchte-Gesichter schauten, war der ganze Stress von davor wieder vergessen. Wir freuten uns vor allem, weil die Kinder glücklich waren und die Papayas gleich am nächsten Abend wieder anzünden wollten☺.


Das Resultat im Hellen...

Judith (l.) und Joséphine(r.) beim Schnitzen 

reihum von links: Sarah, Maridiath, Thomas und Sylvain beim Ausmalen

...und im Dunkeln


Allgemein mag ich langsam den Gedanken, dass dies jetzt für ein Jahr mein Alltag ist. Und es gibt noch einige Projekte, die wir demnächst noch angehen möchten. Zum Einen möchten wir die Arbeit mit den Kindern noch besser organisieren und einigen noch gezielter Lese-und Schreibhilfe geben. Außerdem gehen wir am Samstag zum ersten Mal zu einer Sportgruppe in der Stadt und sind schon gespannt, wie das wird! Demnächst möchten wir dann mit unserem Mentor Moped fahren lernen und außerdem unsere Nago (die Regionalsprache von hier)- Skills erweitern, damit wir bald noch mehr als "ë karo" (Guten Morgen) und "odabo"(Auf Wiedersehen) sagen können😅.



Kleiner Filmdreh

Hallo Leute!

Bevor ich meinen nächsten Blogeintrag veröffentliche, hier ein kleines Vorstellungsvideo von meinem Projekt!

Ihr könnt es auf der Instagram- oder Webseite meiner Schule finden:

https://instagram.com/isg_hro?utm_medium=copy_link

https://www.isg-rostock.de/aktuell/nicht-nur-ein-tag-fur-afrika.html

Das Ganze war spaßig und ich freue mich darauf, weitere Videos dieser Sorte machen zu können☺!

PS: Da diese Outtakes zu schön sind, hier ein kleiner Ausschnitt:




Dienstag, 5. Oktober 2021

Von holprigen Fahrten, selbstgemachter Guacamole und viel Zeit- meine (zweite) Woche in Porto-Novo

Hallo Leute!

Nun sind wir also wieder in Porto-Novo und für diejenigen, die sich über die letzten ausführlichen Berichte wundern…Ja, ich hatte hier genug Zeit, um diese fertigzustellen. Viel Zeit ist auch der Grund dafür, warum der folgende Bericht etwas knackiger ausfällt. 😊

Nachdem wir die Kinder am Dienstagmorgen (28/09) wieder zur Schule gebracht hatten, packten wir unsere Rucksäcke und machten uns zusammen mit Maman auf den Weg in die Hauptstadt. Der Chauffeur, welcher uns direkt vor der Pforte des Waisenhauses erwartete, hatte seinen Wagen gut unter Kontrolle, während er uns durch einige Pfützen und über so manche Huckel manövrierte, bei denen die Federung manchmal wirklich komische Geräusche von sich gab. Die Fahrt wurde noch spannender, als zwei Frauen sich zusammen auf den Beifahrersitz quetschten, um mit uns dreien auf der Rückbank die Fahrt nach Porto anzutreten. In der Stadt ging es dann weiter auf einem Zem (Moped mit etwas größerem Sitz), welches uns und unsere beiden Rucksäcke mühelos transportieren konnte und unsere Rücken noch ein wenig forderte. 😬

Unser Blick auf den Hof

Wohnzimmer vor Abreise

Unser Schlafzimmer


Im Haus der Direktorin der ONG angekommen, wurden wir herzlich von ihr und ihrer Familie begrüßt und fleißig bekocht. Sie zeigte uns außerdem den Teil des Hauses, in dem sie normalerweise schläft und in dem wir nun bis Sonntag bleiben konnten. Danach ging Maman, um die Beerdigungen vorzubereiten. Wir fühlten uns wohl in diesem Haus, verstanden uns gut mit der Familie der Directrice und führten mit ihnen so einige interessante Gespräche über die beninische Kultur, wenngleich wir schon früh das Waisenhaus und die Kinder vermissten. Unsere Rucksäcke und das heiße Schlafzimmer hier konnten unser Gefühl von Zuhause, welches wir in Pobè empfanden, einfach nicht ersetzen.


Unser erstes Essen: Frittierte Yamswurzel(schmeckt ähnlich wie Kartoffel)😋

Auf dem Markt mir der Nichte der Directrice

Alles(besonders Rohkost) mit "Dicarbonate" waschen 


In den nächsten Tagen stellte sich heraus, dass aus den erhofften Besichtigungstouren eher nichts werden würde, da die Familie uns aus Sicherheitsgründen nirgendswo allein hingehen ließ (was wahrscheinlich daran liegt, dass wir noch nicht so lang im Land sind). Dadurch verbrachten wir viel Zeit mit Quatschen, Musik hören und Blogeinträge verfassen. Obwohl dies nicht so aufregend war wie wir es uns vor unserer Reise vorgestellt hatten, so konnten wir doch in den nächsten Tagen viele traditionelle Gerichte probieren, wirklich viel beim Kochen mithelfen und sogar ein eigenes Essen zubereiten. Außerdem begleiteten wir die Nichte der Directrice auf den Markt und konnten ein wenig an der Beerdigung teilnehmen. Leider saßen wir dort auch die meiste Zeit in einer Art Hinterhof zusammen mit anderen Gästen herum, da die Messe bei unserer Ankunft schon zu Ende war und sich vor dem Haus von Mamans Vater kein Sitzplatz mehr fand. Am Nachmittag durften wir aber noch unsere Mitfreiwillige Emma und die zu Besuch gekommene Salomé im Centre Esther besuchen und waren sehr dankbar für die Stunden, in denen wir einige Neuigkeiten miteinander austauschen konnten. 😊

Unser letztes Abendessen: Reis créole(mit Gemüse) und frittierte Bananen🤤

Unser erstes selbst(!) gemachtes Essen: Bratkartoffeln mit Guacamole

Akassa (saurer Maisbrei, anders als Pâte zubereitet) mit Sojakäse und Sauce Feuille (diesmal mit Basilikum)

Und zu allem immer einen Schuss Piment (ähnlich wie kleine, grüne, scharfe Paprika)🥵 


Allgemein sind wir zufrieden mit unserer Woche hier, vor allem, weil wir an einem Tag auch Mémé und Pépé endlich kennenlernen durften. Dennoch freuen wir uns schon sehr auf die heutige (Sonntag, 03/10) Rückfahrt nach Pobè und darauf, unsere Arbeit von letzter Woche (mit all ihren Herausforderungen) wieder aufzunehmen.

Von Palmen, Dauermüdigkeit und lebensfrohen Kindern- meine Ankunft in Pobè

Hallo Leute!

Wie ich in meinem letzten Blogeintrag schon erwähnt hatte, hieß es jetzt also Abschied von unseren Mitfreiwilligen in Porto-Novo nehmen und sich auf den Weg zu unserem neuen Zuhause zu machen…

Am Dienstagnachmittag (21/09) wurden Sarah und ich also vom Buchhalter des Waisenhauses und dem Chauffeur von Mémé und Pépé, dem Gründerehepaar, abgeholt. Auf der ca. eineinhalbstündigen Fahrt nach Pobè wurde nicht viel geredet, worüber ich sehr froh war. Es gab nämlich wieder genug Eindrücke, welche es zu verarbeiten galt, z.B. den Anblick der wunderschönen Palmenlandschaft oder die gefühlten Dauerbaustellen, die das Auto und uns (es gab- so wie es hier anscheinend öfter der Fall ist- keine Anschnallmöglichkeit) ziemlich durchschüttelten. Endlich in Pobè angekommen, war ich zunächst einmal leicht entsetzt von dem Unterschied zu der Hauptstadt (weniger Straßen waren geteert und Lehmhäuser anstatt Häuser aus Beton waren nun öfter zu sehen) und fragte mich, wie ich ein Jahr hier leben sollte. Doch, durch meine Erfahrung aus der ersten Woche um einiges klüger, schaffte ich es auch hier, mir zu sagen, dass nach einer ordentlichen Mütze voll Schlaf die Welt am nächsten Tag sicher wieder ganz anders aussehen würde. 😊


Unser Schlafzimmer nicht mehr ganz so leer am nächsten Tag (das hatten wir am Abend noch geschafft 😁)


Endlich angekommen!😴


Mit dieser Annahme sollte ich zum Glück Recht behalten. Dies lag vor allem daran, dass wir im etwas außerhalb liegenden Waisenhaus von unserer Maman (unsere Tutorin, die für die Kinder und uns verantwortlich ist) herzlichst empfangen wurden. Sie machte uns klar, dass wir jederzeit zu ihr kommen konnten und sie alles daransetzen würde, unser Wohlbefinden zu garantieren. Danach zeigte sie uns unser „Haus“, welches sie extra für Freiwillige renoviert hatten. In diesem gab es ein Ess- und Schlafzimmer, eine nicht ganz fertige Küche und ein für beninische Verhältnisse super luxuriöses Bad. Wir fühlten uns trotz Müdigkeit auf Anhieb wohl und freuten uns schon darauf, uns hier einzurichten. Dies war anscheinend auch der Plan von Maman, die uns auftrug, uns die nächste Woche erst einmal ausgiebig auszuruhen, bevor in der darauffolgenden die Arbeit losgehen konnte. Nach einer Besichtigungstour des Geländes wurden wir auch noch einmal mit Tanz und Gesang von den 39 Kindern des Waisenhauses begrüßt, was mich sehr an den Besuch im Centre Esther erinnerte. Doch fand ich es hier ein wenig angenehmer, da die Kinder nicht ganz so aufgedreht, sondern eher auf eine natürliche Weise schüchtern uns gegenüber waren. Nach einem leckeren Abendessen ging es dann schnell ins Bett für uns beide.😴

In den nächsten Tagen wurden wir von unserer Maman verwöhnt, die uns Stück für Stück an das beninische Essen heranführte, konnten es uns mit Fotos und einer Kofferumfunktionierung zum Schrank ein wenig heimelig machen und versuchten, die Namen der Kinder zu lernen. Letzteres stellt sich bis heute noch als ziemlich schwierig heraus, aber wir bleiben dran. Außerdem stellte sich am zweiten Tag jedes Kind noch einmal einzeln mit Namen und Alter bei uns vor und erhielt dafür von uns entweder Schokolade oder Gummiherzen. Sie freuten sich sehr, wenngleich sie dies noch nicht so offen zeigten. 😊


Unser Ess- bzw. Eingangszimmer...

...mit Tisch für Mamans leckeres Essen. Hier gibt es gerade Pâte Blanche und Sauce Feuille(Blattgemüse) und Papaya zum Nachtisch🤤

Unser Bad...

...mit Klo und Eimerdusche( den Duschkopf haben wir bis jetzt noch nicht benutzt😆)

Unser Schlafzimmer mit umfunktionieren Koffern😉 


Allgemein mussten Sarah und ich uns in der ersten Woche erstmal an die respektvolle Art der Kinder gegenüber Ihren „Tatas“ (das sind wir) gewöhnen. Hier wird nämlich Respekt gegenüber älteren Personen sehr großgeschrieben, indem zum Beispiel die Kinder sich vor uns bei der Begrüßung jedes Mal verbeugen müssen oder wir auch ein etwas abwechslungsreicheres Essen als sie bekommen.

In den folgenden Tagen lernten wir dann auch die anderen Mitarbeiter*Innen des Waisenhauses neben Maman kennen, zum Beispiel Fofo (kümmert sich um Schulisches und den eigenen Gemüsegarten), den Gardien (für Sicherheit der Kinder verantwortlich), die Assistance Sociale (kümmert sich ums psychische Wohl der Kinder und checkt deren Akten), den Directeur des Waisenhauses, die Köchin und die Direktorin der ONG. Außerdem trafen wir unseren Mentor (ein ehemaliger Radiojournalist, der jetzt für den Bürgermeister Pobès arbeitet), der uns mit seinem Moped ein wenig durch die Gegend fuhr, spannende Dinge zu dem hier verbreiteten Voodoo-Kult der „Oro“ erzählte und uns ein wenig mit der Regionalsprache „Nago“ vertraut machte. Ansonsten ruhten wir uns in der ersten Woche allerdings hauptsächlich aus, was ich einerseits wegen meines Körperzustandes der Dauermüdigkeit gepaart von einer leichten Grippe befürwortete. Andererseits fanden wir es auch ein wenig nervig, dass uns nicht viele Aufgaben anvertraut wurden, da wir beide nach meinem Gefühl Persönlichkeiten sind, die gern etwas zu tun haben wollen- und das auch schon in der ersten Woche. 😅 Doch nach einem Anruf von unserer Vorfreiwilligen konnten unsere Sorgen ein wenig beruhigt werden. Auch wenn sich nach ihrem Aufenthalt 2020 so einiges vor Ort verändert hatte, konnte sie uns nämlich viele Dinge zu unserem Aufgabenfeld, der Essensgeschichte oder der Arbeitsstruktur erklären. 😊


Auf dem Moped mit unserem Mentor😎

Das ehemalige Rathaus von Pobè


Die zweite Woche ging dann hingegen sehr aufregend los, indem wir uns endlich ein wenig nützlich fühlen konnten. Am Montag (27/09) brachten wir die Kinder früh morgens mit Fofo in die Schule und konnten am Abend (nach einer Lektion Nago mit der Assistance sociale) das erste Mal in der Küche mit anpacken. Währenddessen half Sarah außerdem noch einigen Kindern bei den Hausaufgaben, was wir die Tage vorher schon einige Male machen konnten. Ich war zum Beispiel ganz überrascht, als ein Kind auf mich zukam und mich bat, ihm bei Physik (Mechanik :/) zu helfen. Auch sonst hatten wir das Gefühl, dass sie sich langsam an uns gewöhnten… 😊


Beim Abwasch (fotografiert von einer sehr stolzen Maman)


Leider musste dieser Fortschritt an anderer Stelle weitergeführt werden, da wir am Dienstag dieser Woche mit Maman nach Porto-Novo fuhren, da am Donnerstag ihr Onkel und am Samstag ihr Vater beerdigt werden sollten und sie nicht wollte, dass wir gleich in unserer zweiten Woche ohne sie im Waisenhaus sein mussten. Einerseits konnten wir ihre Entscheidung verstehen (sie hätte uns bei unerwarteten Problemen, die am Anfang des FSJ's häufig entstehen, einfach nicht schnell helfen können) und freuten uns auf ein paar Besichtigungstouren in der Hauptstadt; andererseits waren wir ein wenig traurig darüber, die Kinder jetzt schon wieder für eine Woche verlassen zu müssen. :/

Allgemein finde ich Pobè sehr schön, da es im Vergleich zur Hauptstadt sehr viel ruhiger und grüner ist. Im Waisenhaus fühle ich mich wahnsinnig wohl und habe an diesem Ort ein großes Gefühl von Sicherheit. Wie wichtig das ist, ist mir am Tag der Bundestagswahl aufgefallen. Dort ist mir nämlich wieder mal klar geworden, wie weit weg wir von unserem vorherigen Zuhause sind...

Außerdem sind die Kinder sehr lustig und ihre lebensfrohe Art ist sehr ansteckend. Zwar haben wir beim besten Willen noch nicht die Arbeitsstruktur durchblickt und müssen auch bei der Hausaufgabenhilfe sehr auf die wirklich unterschiedlichen Niveaus der Kinder stark eingehen, lernen aber jeden Tag etwas Neues und haben verstanden, dass sich in Geduld üben hier als sehr hilfreiche Eigenschaft herausstellen kann.

Benin ade, ...

Hallo Leute! Nun ist es schon über einen Monat her, dass ich wieder zurück in Deutschland bin und ich kann sagen, es fühlt sich manchmal i...